Die Reise nach Spanien

Da mein Job auf Föhr ein wirklicher Griff ins Klo war und ich kurz davor am Rad zu drehen, musste schnell eine Lösung her. Über facebook kam ein Angebot aus Andalusien. Über Spanien hatte ich vorher nie nachgedacht. Spanien war für Rentner um zu überwintern und Stierkämpfe. Italien, Südfrankreich – daran hatte ich gedacht, aber nie an Spanien. Allerdings war „Finca Vegana“ Musik in meinen Ohren. Ich kann kochen und Yoga Stunden geben. Alles was ich kann und gerne tue. Keine Wurstplatten mehr legen, keinen unachtsamen Menschen mehr den Arsch hinterher tragen. Mein Bauch wusste es wahrscheinlich sofort. Spanien war das nächste Ziel. Der Job wurde immer unerträglicher und Aufgrund zahlreicher Unstimmigkeiten und einem absolut cholerischem Verhalten meiner Vorgesetzten, nutzte ich meine zweiwöchige Kündigungsfrist während der Probezeit. Natürlich ist es gemein einem kleines Hotel während der Hauptsaison einfach ab zu springen, aber dann kann man seine Angestellten eben nicht nach Gutsherrenart behandeln.

Egal, am 6. August kam der Kontakt zustande und Ende August war ich dann schon wieder unterwegs um die Insel zu verlassen. Die ersten 3 Tage auf dem Festland habe ich genutzt um bei einigen Freunden nochmal Tschüß zu sagen. In Halle habe ich dann aber gemerkt, ohne das liebe Fräulein ist das hier nicht mehr mein Zuhause. Nur der Hund hat am ganzen Körper gezittert, als es an der Landsberger Straße vorbei ging. Er dachte vermutlich, dass es jetzt wieder nach Hause geht und wir wieder zu dritt auf dem Sofa sitzen, wie er das kennt und haben will. Aber das Fräulein war schon in Bosnien und unser Zuhause nicht mehr da.

Die letzten beiden Tage tankte ich Zuversicht in Obergleen, wo meine Schwestern, ein Schwager und zwei Neffen für mich da waren um mir rund um die Uhr Mut zu zusprechen. Aber ich hatte einen Beifahrer. Nicht den Hund, sondern einen Menschen der mich begleiten wollte um am 11.9. von Malaga aus wieder nach Deutschland zu fliegen. Ich wäre die 2500 km wahrscheinlich in 3 Tagen gefahren und wäre danach vor den Toren der Finca an einer Koffeinvergiftung krepiert. Ich hätte mich nicht aus dem Auto getraut, aus Angst vor Autodieben. Es wäre ganz grauenhaft geworden. Aber mit jemandem an meiner Seite der mich wach hält und ein bißchen auf mich aufpasst sollte doch alles gut werden.

Also sind wir am 4.9. von Münster aus gestartet. Ich war absolut hippelig, denn ich war noch nie in Belgien, Frankreich oder Spanien.Andere Länder machen mich nervös. Mit 16 war ich zu einem Schüleraustausch in Amerika und dann mit 20 mal kurz in Holland und danach mit 40 für 3 Tage in Italien. Ich hatte nie das Bedürfnis irgendwas im Süden zu schaffen. Im Regen ging es nach Holland und irgendwie dachte ich die ganze Zeit, es sollte irgendwas passieren wenn man sein Land verlässt. Irgendeiner sollte einen Tusch spielen, oder zumindest winken. Aber nichts ist passiert, plötzlich war ich in Holland und wusste, dass ich nicht mehr so schnell nach Deutschland zurück komme. Da wo alle meine Sprache sprechen, wo Familie und Freunde sind. Für mich war das kurz ein beklemmendes Gefühl. Und dann waren wir in Belgien, wo mein Beifahrer der Ansicht war, hier müsse man Fritten essen. Belgien ist wohl berühmt für seine Fritten. Und am Autobahnrand wurde plötzlich auch ganz viel Frittenwerbung gemacht.. Wer mich kennt, der weiß ich liebe Fritten und eigentlich alles aus Kartoffeln. Also rein in so eine Bude und Fritten gegessen.( und alleine die Tatsache, dass ich n den letzten 5 Sätzen 5 mal das Wort Fritten benutzt habe, sollte die Wichtigkeit unterstreichen. Fritten sind wichtiger als z.B. Rechtschreibung!) Und die Typen hinterm Tresen reden voll französisch. Was eigentlich ganz logisch ist. Aber ich habe dann nochmal registriert – Tanja, du bist hier nicht zu Hause.

Weiter gings Richtung Attichy. Das liegt richtig in Frankreich. Und es hat immer noch geregnet. Aber He, Frankreich. Als ich zum ersten mal PARIS auf einem Autobahnschild gelesen habe, musste ich gleich mal anfangen zu heulen.04-09-unterwegs Und dannkam nach gefühlten 100 Kreisverkehren der Campingplatz. Und keiner war da, aber irgendwie haben wir doch einen Platz bekommen und konnten noch Croissants zum Frühstück bestellen. Die erste Etappe war also geschafft, wir waren raus aus Deutschland und ich hatte mit 42 Jahren mal wieder ganz viele Dinge zum ersten mal in meinem Leben getan. Nach einer Kartoffelmahlzeit aus dem Dutch Oven haben wir noch ein bißchen bei Rotwein vorm Bus gesessen und erzählt. Zwischendurch hat mich das liebe Fräulein zurück auf den Boden der Tatsachen geholt. Ich bekam ein Ausflippverbot und ein Angebeverbot. Klar, für jemanden der ständig in der Weltgeschichte rumdüst, ist meine Tripp wie eine Butterfahrt. Aber Egal. Die Nacht war eng aber gemütlich. Zu dritt im Auto, ein Glück konnte man ein Fenster auflassen. Am nächsten Morgen hab ich dann Kaffee gemacht und die bestellten Croissants abgeholt. UND ich bin mit „Bonjour Madame“ begrüßt worden. Das liebe Fräulein hätte, beim Anblick meines breiten Grinsens, meinen Kopf in eine Tüte gesteckt und mit den Augen gerollt. Und weiter gings, nach La Rochelle. (Wieder gefühlte 100 Kreisverkehre, es waren aber noch unter 20. Wir hatten Vorher Wetten abgeschlossen wie viele Kreise wohl kommen und ich habe das Battle gewonnen) Wo leider kein Platz mehr frei war und so mussten wir ausweichen nach Puilboreau. Ein toller Campinplatz mit Pool und gegenüber eine Bäckerei. UND ein Netto.img-20160906-wa0000 Da bin ich zwar nicht rein, aber so ein gelbes Nettoschild hat doch was beruhigendes in der Fremde. Am nächsten Morgen, habe ich dann all meine Französisch Kenntnisse ausgekramt um in der Bäckerei Crossoints und anderes Gebäck zu holen und ein bißchen Smalltalk zu machen. Ich schätze die Madames haben noch nicht mal gemerkt, dass ich französisch gesprochen habe. Also ich hätte mich verstanden. Egal ich habe meinen Kram gekriegt und wir konnten Frühstücken. Wieder viele Kreise, wieder gewonnen, auf nach Orio. Hier waren Hunde verboten. Und wir mussten schon wieder ausweichen und was soll ich sagen. Das war unser Glück, denn wir hatten den schönsten Campingplatz überhaupt. In Zarautz. Der Weg zum Campingplatz war steil und kurvig und alle die hinter mir gefahren sind, haben mich bestimmt von ganzem Herze verflucht. Und mir war das vollkommen Schnuppe.

Auf dem Platz gab es einen kleinen Supermarkt. In dem habe ich auch gleich meine ersten Spanisch Vokabeln zum besten gegeben. Mit dem gleichen Erfolg wie mein formvollendetes Französisch. Erbärmlich. Egal, Ich habe den Atlantik gesehen. Und am nächsten Morgen bin ich zusammen mit dem lieben Hund hunderte von Treppen runter gelaufen und wir standen im Atlantik.

Und da waren Wellen und es hat ganz anderes gerochen als auf Föhr. Nordsee riecht immer so ein bißchen fischig. Hier nicht. Auf dem Weg nach oben sind mir sehr viele, sehr gut aussehende junge Männer mit Surfbrettern entgegen gekommen. Nach dem 20, Holla sind mir fast die Mundwinkeln eingerissen vor lauter dummen grinsen. Wir legen hier eine Schweigeminute ein. Für alle gutaussehenden Surfer (die wahrscheinlich alle nur halb so alt waren wie ich) – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – * seufz * ok. Ich durfte mich ja nicht beschweren, hatte ich doch den lieben Hund und den lieben Beifahrer die beide wenigstens recht niedlich waren.06-09-christian-und-lenny Also wieder runter vom Berg, wieder ein paar Fans meiner Fahrkünste mehr, nochmal ein paar Kreisverkehre und auf zur letzten Station. Habe ich die vielen Mautstationen schon erwähnt? Ja, es waren deren viele und hier mal 2,80€ und da mal 12,40€, das leppert sich.Bleibt aber alles noch im grünen Bereich. Und dafür ist der Sprit sehr günstig. Der Liter Diesel für unter einen Euro, das verpflichtet fast alle paar Kilometer voll zu tanken. Und spanische Tankstellen, alles voller Nestle Produkte und an großen Ständern hängen ganze Schinken. Oliven stehen Eimerweise rum und Öl in 5 Liter Flaschen.

Die Landschaft wurde immer leerer und trockener. Christian fasste das in einem kurzen Satz zusammen: „Spanien ist ganz schön gelb“ und die ganze Landschaft sah einfach eingedöst aus. Alles hat mich an so einen Kunstfilm erinnert, wo außer Dialoge und Grillengezirpe nichts passiert. Ich fing an unruhig zu werden, wie sieht mein neues Heim aus? Gibts da Bäume? Und Gras?

Da es irgendwie gut lief, beschlossen wir eine kleine Planänderung. Wir sind ein Stück weiter gefahren und haben uns spontan für einen anderen Campingplatz entschieden. In Cares. Der war fast leer, was ja nicht schlecht war und die hatten einen Pool. Aber das Beste – an jedem Platz, stand ein kleines Häuschen mit Toilette und Dusche und Außenwaschbecken. Das war sehr komfortabel. Und es war unsere letzte Nacht im Bus.7-9-2016-camping-caceres

Den letzten Weg sind wir dann schon etwas andächtig angetreten. Froh, endlich wieder in einem ordentlichen Bett schlafen zu können (die letzten 4 Nächte hatten wir zu zweit 1/ 1,65m, was noch nicht mal verliebt bequem gewesen wäre), aber auch ein bißchen traurig, dass es schon vorbei war. Irgendwie sind wir uns so ein bißchen vorgekommen wie in einem Treck gen Westen. Weil alles auch so schön geklappert hat bei jeder Kurve. Geschirr und Besteck und alles was halt so klappern kann. Nun denn, am späten Nachmittag sind wir angekommen. Mein neues Zuhause. Was jetzt kommt gibt eine

andere Geschichte.

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