Freiheit

Ein recht alter Schweinehundtext, den es vor ein paar Jahren schon auf Utopia gab. Ich finde ihn aber immer noch gut und würde ihn heute nicht anders schreiben.

Freiheit ist eins deiner Lieblingswörter. Freiheit war auch mal eine ganze Zeit unser Lieblingslied. Auf irgend einer MixCasi, die ich für eine Party aufgenommen habe, kommt Westernhagens Freiheit gleich nach Westernhagens Jonny Walker.

Das war zu einer Zeit wo wir in allen Freiheiten beschnitten wurden, wir hatten nicht die Freiheit zur Schule zu gehen wann und wie wir wollten, wir musste.Wir hatten nicht die Freiheit in Discos zu gehen, Auto zu fahren, oder zu heiraten ich speziell hatte noch nicht mal die Freiheit mir die Haare grün zu färben oder mir die selben Tatoos wie Axel Rose zuzulegen (danke Mama) – wir mussten ein leben in Tyrannei und Abhängigkeit verbringen – damals mit 16, aufm Dorf. Dafür haben wir uns jede kleine Freiheit raus genommen die drin war. Wir waren so frei in liebevoll gepflegt Vorgärten zu kotzen, ein rumgedrehtes Kreuz an die Kirche zu sprayen, ein Telefonhäuschen um zu werfen und zu dritt auf einem Mofa mit drei Leuten von Schrecksbach nach Röllshausen zu fahren, rotzbesoffen und ohne Helm.
Das war vor mehr als zwanzig Jahren und anstatt zu hoffen, dass Dummheit verjährt, froh zu sein, dass wir überlebt haben und Besserung geloben, treiben wir es schlimmer als je zuvor.
Andere entscheiden immer noch für uns und anstatt zu beweisen, dass wir die Verantwortung unserer Entscheidungen sehr wohl tragen können und uns auch der Konsequenzen bewusst sind, knallen wir ein bisschen mit den Türen,posten ein Protesbild auf Facebook und stehn ein bisschen im Schmollwinkel. Da kommen wir aber ganz schnell wieder raus, denn das Süppchen das uns gerade einrührt wird riecht so verlockend nach Bequemlichkeit. Wir setzen uns also wie gewünscht an den Tisch, löffeln aus was uns eingebrockt wurde. Brav, brav. Na wir können doch eh nichts ändern. Die (oder RWE, oder Nestle, oder Müller…) werden schon wissen was sie tun. Bekommen wir doch dafür schließlich alles gut und günstig. Unsere billigen, kleinen Freiheiten. Billige Milch und billigen Kaffee, billiges Fernsehprogramm mit billiger Schokolade, Autos, Alkohol, Zigaretten, billige Kleidung, billige Wohnräume.
Und diese kleine, billige Freiheit gilt es zu verteidigen. Bis aufs Messer. Aber Freiheit sollte für alle Möglich sein. Auch für die, die sich nicht frei fühlen wenn sie sich selbst, ihre Kinder oder unseren Planeten kaputt machen.
Zum Beispiel, die Straße gehört uns allen. Aber ich musste verdreckte und zugeparkte Radwegen benutzen, die wo im Winter die Schneehaufen drauf geschoben werden. Warum kann ich mir nicht die Freiheit nehmen mitten auf der Straße zu fahren? Dann schränke ich die Freiheit von denen ein die sich freirasen. Was ist mit der Freiheit frische Luft zu atmen oder in den Himmel zu blicken und Sterne zu sehen ohne Discolichtkanonen die den Himmel ausleuchten. Was ist mit der Freiheit auf der Straße Rollschuh zu laufen oder Federball zu spielen? Was ist mit barfuß durch den Park rennen ohne sich die Füße kaputt zu machen. Die Freiheit wurde mir genommen, weil sich ein anderer die Freiheit genommen hat seine Bierflasche gegen den Laternenpfahl zu werfen, die nun in Scherben auf dem Weg liegt. Warum ist meine Freiheit weniger wert als andere? Weil sie umsonst wäre? Weil ich nichts konsumiere um frei zu sein sondern im Gegenteil, andere davon abhalten würde zu konsumieren. Damit würde ich dann wieder die Freiheit derer einschränken, die gerne alles kontrollieren und sich die Freiheit nehmen, Freiheit zu verkaufen. Und wenn ich da nicht mitmachen will, bitte, dann ist das mein Pech, dann darf ich in der Ecke stehen und zugucken wie meine Schweinehundgeschwister Suppe löffeln, zu mir rüber feixen und mich für doof erklären. Aber ich kann auch mein eigenes Süppchen kochen und es bleibt nicht nur bei der Suppe, sondern es wird langsam ein rieen Buffet und ich werde hoffentlich nie müde werden Schweinehunde dazu einzuladen. Denn Freiheit schmeckt ganz anders und ist eben nun mal kein Fertigprodukt aus der Tüte.

Wie seht ihr das? Welche Freiheiten lasst ihr euch nehmen? Aus Bequemlichkeit?

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s