Danke

Es ist eine schlimme Unart von mir, auf etwas hin zu arbeiten und kurz vor dem Ziel kalte Füße zu bekommen und dann entweder alles kaputt zu machen oder einfach nur still zu verharren bis sich die Sache erledigt hat. Deswegen gibt es Selbsthilfebücher um sich zwischendurch mal locker zu machen, an seinen Innern zu arbeiten und doch wieder einen kleinen Babyschritt nach vorne zu machen. Als ich mal wieder so hin und her zweifelte und meiner Einbauküche hinterher flennte (und jetzt gerade wo ich das schreibe könnt ich schon wieder los legen, sie war Apfelgrün matt und sah wunderschön aus) gab mit Frau Sonnenschein ein Buch über Dankbarkeit. Nun ist es so, ich nehme solche Bücher, lese die ersten paar Seiten und dann nehme ich mir fest vor am nächsten Tag gleich weiter zu machen weil ja alles so spannend und einleuchtend ist, aber ich habe noch kein Buch dieser Art auch nur bis zur Mitte gelesen.

Auch nicht dieses. Aber die ersten Kapitel haben mir schon krass weitergeholfen.

The Magic

Egal, es war ein Buch, mit täglichen praktischen Übungen, mit denen man glücklich und gütig werden soll. In der ersten Übung sollte man täglich 10 oder mehr Dinge aufschreiben, für die man wirklich Dankbar ist und auch aufschreiben warum man dafür dankbar ist. Es sollte sich nicht wiederholen.

Am Anfang ist es noch ganz leicht sich jeden Tag 10 Sachen aus dem Ärmel zu schütteln.

Ich bin Dankbar für das liebe Fräulein, weil wir so viel Spaß zusammen haben und uns immer wieder vertragen wenn wir uns streiten.

Ich bin Dankbar für den Hund, weil ich mit ihm nie alleine bin und er mich beschützt.

Ich bin Dankbar für meine Füße, weil ich gerne spazieren gehe.

Ich bin Dankbar für meine Haare, weil ich damit wirklich gut aussehe und mich jeder schon von weitem erkennt.

Nach ein paar Tagen sitzt man schon etwas länger an seiner Liste. Und die Dankbarkeit nimmt tiefe Formen an.

Ich bin Dankbar für meine Fußnägel, weil sonst meine Zehen sich im Schuh aufschuffeln und weh tun würden.

Ich bin Dankbar für mein tolles Küchenmesser, weil das wirklich gut schneidet und es deswegen voll Spaß macht Gemüse zu schnippeln.

Ich bin Dankbar für meinen Chefs, weil sie mich dazu gebracht haben einen anderen Weg zu gehen.

Und irgendwann, nach Tagen voller Dankbarkeit, saß ich wieder auf meinen pinken Sofa, für das ich vor ein paar Tagen schon Dankbar war und habe sehr dankbar aus meiner Herzchentasse, für die ich vom ersten Tag an dankbar war, Kaffee getrunken und hatte eine kleine Schreibblockade.

Ich blickte nach links aufs Fensterbrett, sah einen kleinen, pinken Blechblumentopf wo Stifte, Korken, Gummibänder, Nadeln und Staub drin lagen und dachte: Ich bin Dankbar für diesen kleinen, pinken Blechblumentopf weil…. ???

Und dann ist mir aufgefallen, dass ich kein bißchen Dankbar für diesen kleinen, pinken Blechblumentopf bin, weil er zum Blumentopf nicht taugt und auch nicht zum Übertopf weil er schon fast durchgerostet war und deswegen standen auch keine Blumen mehr drin. Statt dessen sammelten sich wieder Sachen an, für die man keinen Platz hat. Und ich wollte keine Sachen mehr haben, die keinen Platz haben.

Ich war also nicht Dankbar und dann hab ich das Ding in die Tonne gehauen.

Und dann bin ich nochmal mit einem Dankbaren Auge durch meine Wohnung gegangen und habe alles entsorgt, für das ich nicht dankbar war. Und was soll ich sagen, dass war tatsächlich eine ganze Menge. Ich hatte sogar Unterwäsche in der Schublade, für die ich nicht dankbar war. Und am Ende vom Tag, saß ich wieder auf meinem pinken Sofa, mit einem Bier (für ein Jever bin ich immer sehr dankbar) und war umringt von Sachen für die mein Herz erfüllen, die mich erfreuen und froh machen. (das hört sich jetzt ein bißchen verschwubbelt an, ich kann aber nicht schon wieder dankbar schreiben, das ließt sich sonst doof glaube ich).

Auf alle Fälle…wer ein bißchen mutlos und traurig ist, wem alles recht sinnlos vorkommt und man so zögerlich da steht und nicht weiß warum, wohin und wozu … dem kann ich diese Übung wärmstens ans Herz legen, jeden Tag 10 Dinge aufschreiben für die man Dankbar ist und warum man dafür Dankbar ist.

Und gerade bei uns, sollte jeder ein paar Tage damit beschäftigt sein.

4 Gedanken zu “Danke

  1. Gefällt mir sehr. Und es ist auch wirklich eine schöne Idee sich diese Frage beim Aussortieren zu stellen. Manchmal braucht man solche Entscheidungshelferlein ja. Dankbarkeit wird so oft unterschätzt und ist doch so unfassbar wichtig, weil sie eben auf einen zurückfällt. Ich bin dankbar diesen Artikel gelesen zu habe. 🙂

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  2. Sehr schöner Text und wirklich wahr. Ich habe vor meinem Umzug vor ein paar Wochen aussortiert (Umzüge sind ja prädestiniert für sowas), allerdings miste ich regelmäßig aus. In der neuen Wohnung festgestellt, dass keines der Möbelstücke reinpasst. Also nochmal knallhart aussortiert. Nun sitze ich ohne Sofa (dafür war ich wirklich nicht dankbar), in einer etwas chaotischen Bude und zieh wohl bald wieder aus. Und es fliegen jeden Tag Dinge raus. Brauche ich das? Nö? Weg damit. Das Leben zu entrümpeln tut so gut.

    Danke für deinen Text, die Übung find ich wirklich gut!

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