Gehma einkaufen

Manchmal finde ich es hier doch ein bißchen eng und dann muss ich raus. Mal wieder unter Menschen kommen. Ich dachte am Anfang, Algodonales ist ein Kuhdorf, inzwischen habe ich gemerkt, hier gibt es wirklich viele Läden, man muss sie nur finden. Manche sind versteckt, in engen Seitenstraßen oder sind so klein, dass man dran vorbei läuft. Deswegen möchte ich heute vom allgemeinen Einkaufen berichten.

Ich glaube und ich hoffe, dass es in größeres Städten anders ist. Aber ich gehe selber nur in Algodonales einkaufen. Und fahre auch nur ungern mit wenn zum Großeinkauf nach Ronda gefahren wird. Das liegt an den kurvigen hoch-runter Straßen.

Aber darum geht’s jetzt gar nicht. Einkaufen. Hier in Andalusien, oder zumindest in meiner Nähe. Das Einkaufen hier ganz anders ist, dass ahnt man schon, wenn man die Werbung sieht. Ob im Fernseher oder in der Zeitung. Auf jede Telefonanbieter Werbung bei uns, kommt hier eine Werbung von Schwangerschaftstest, die im Film positiv ausfallen und alle jubeln und freuen sich. Hier wird die Familie stark priorisiert. Je größer desto besser und glücklicher. Deswegen gibt es in den großen Supermärkten auch fast nur große Portionen und Packungen.

Olivenöl gleich im 5 Liter Kanister. Vorrangig werden regionale Produkte gekauft und gleich danach kommt der ganze Dreck von Nestlé. Spanier scheinen in der Beziehung Markenfans zu sein. Man findet viel Süßes und Kleingebäck mir dem Nestlogo.

Aber egal, ob in großen oder kleinen Läden, Fertigessen ist kaum zu finden.

In Algodonales gibt es ganz viele kleine Läden. Die sind so groß wie ein Wohnzimmer in Halle Neustadt und da gibt es Brot, Gemüse, Kartoffelchips und andere Sachen des täglichen Bedarfs. Und es stehen immer zu viele Leute drin. Ich frage mich immer was die ganzen Frauen da ständig machen, außer sich sehr laut unterhalten und den 20 Clowns in einem Auto Trick üben. Und es passt immer noch eine rein. Hier in diesem Bergdorf scheint auch nicht angekommen zu sein, dass Weihnachten das Fest des sinnlosen Konsums ist. Es gibt keine Hohlkörper Schokolade, keine besonderen Süßigkeiten, keine Servietten mit Weihnachtsmännern und Plastikdeko.Keine blinkenden Nicolausmützen, Schokoladentaler, Nichts. Wer das will muss zum „Chinesen“ fahren. Das sind mehr oder weniger große Läden, die so ausgestattet sind wie bei uns das Mc.Geiz. Da gibt es den ganzen Tüttelkram zum dekorieren und verschenken und basteln. Und immer sitzen Asiaten an der Kasse.

Die kleinen Läden haben auch fast alle unterschiedliche Waren. Jeder scheint das zu verkaufen, was er selber gut findet. In „meinem“ Laden gibt es ein ganzes Regal mit Asiatischen Lebensmittel. Sorbanudeln und so was. Allerdings keine roten Linsen, die gibt’s hier nirgendwo. Sojamilch gibt es in jedem Laden. Tomatenmark und Puddingpulver in keinem. Süßlupinen und Kichererbsen im Glas, sowie Kichererbsenmehl und Reismehl ist hier auch was normales und gewöhnliches. Roggen und Dinkelmehl gibt es nicht zu kaufen. Obwohl Sojamilch überall getrunken wird gibt es kaum Sojajogurt und wenn auch nur in 125 g Päckchen. In Tabaksläden gibt es keine Zeitungen. Weil Zigaretten angeblich nichts mit Zeitungen zu tun hätten. Meinem Einwand, dass es sich hierbei um eine natürliche Symbiose handelt wurde keine Beachtung geschenkt.

Spanier mögen süße Teilchen, die gibt es schön eingewickelt in Papier in großen Körben.

Ich habe mal eins gekauft, das macht hier scheinbar auch keiner. Man nimmt ein Kilo, mindestens.

Na um seine Einkäufe zusammen zu bekommen, wenn man nur in Algodonales einkaufen möchte, müsste man den ganzen Tag mit Korb unterm Arm die Straßen hoch und runter laufen um sich aus jedem Laden das passende zurecht zu sammeln. Und zwischendurch kann man dann in den zahlreichen Bars ein Päuschen einlegen. Hier scheint es kein Altenheim zu geben. Die Alten werden einfach morgens in der Bar abgesetzt, wo sie einen Kaffee nach dem anderen Bechern und sich anschreien und Abends wieder abgeholt. Deswegen ist in den Bars auch immer was los.

Die Straßen sind so eng, dass man denkt, es müssten alles Einbahnstraßen sein.

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Ist was? Das Beulchen juckt hier keinen.

Aber mitnichten. Ich habe mit meinem schönen Bus schon Blut und Wasser geschwitzt, wenn die Straßen so steil sind, dass man gefühlt vertikal fährt und man nach links und rechts gucken muss, dass dir keiner vors Auto springt oder man keinen Spiegel abfährt und dann kommt dir ein LKW entgegen wo der Fahrer mit einer Hand eine Zigarette dreht und mit der anderen ein Handy ans Ohr drückt.

Eigentlich sind hier auch alle Autos verbeult. Das juckt keinen. Das Auto fährt sicher. Reicht.

Nach dem einkaufen gehen alle nochmal zum Brunnen um sich Kanister mit Trinkwasser auf zu füllen. Manchmal trifft man auch eine Ziegenherde die gerade Wasser schlappert. Ziegen meckern immer. Selbst mit dem Kopf unter Wasser.

 

Ansonsten zu Getränken – Bier gibt es nur in 1Liter Flaschen soweit ich das beobachten konnte. Wein habe ich hier noch keinen mit Schraubverschluss gehabt und nur einen mit Plastikkorken. Alles andere wird noch richtig zugekorkt. Mit Korkeiche. Ich trinke nur so viel Wein um mir eine Pinnwand basteln zu können.

Was hier echt pissig ist, es gibt kein Pfand. Weder für Glas noch für Plastikflaschen. Allerdings – sieht man es trotzdem nicht so oft, dass Müll in der Natur rum liegt.

Alles in allem, die Menschen hier sind alle ein bißchen entspannter.

Weil – wer eine Familie, gesunde Kinder und genug zu Essen hat, den kann nichts wirklich aus den Schuhen heben. Da kann sich das Internet und die Medien noch so viele Mühe geben. ;o)

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