Schweinehunde und Ordnung

Ungezählte Stunden haben das liebe Fräulein und ich oft auf unserem Sofa gesessen, den Hund in der Mitte, und haben getratscht. Manchmal haben wir uns schon nach 2 Minuten gestritten, manchmal haben wir uns stundenlang kaputt gelacht, schon ganz zitterig von vielen Kaffees. Manchmal kam ich durch die Wohnungstüre und mit Blick auf mein Gesicht, nahm das Fräulein auf dem Sofa Platz, forderte mich mit einer Geste auf mich daneben zu setzen und sagte: „Was gibt’s Neues?“ wissend, dass es tatsächlich was gab. Weil ich nämlich gerade aus dem Paulusviertel kam. Antje wohnt da.

Vor ein paar Tagen meinte sie bei einem Anruf: „Es gibt doch noch mehr Geschichten von Antje und ihrer Arschloch-WG. Kannst du die auch ins Netz stellen, ich würde die gerne mal wieder lesen. Hier ist eine mein liebes Fräulein. :o)

Ordnung ist das halbe Leben – Öko Antje

Gleich vorab – meine Eltern würden sich kaputtlachen wenn sie wissen würde, was ich erst gestern für eine superkrasse Diskussion mit Antje geführt habe. „Siehste,siehste – haben wirss nicht immer gesagt?“

Um zum Thema zu kommen, ich bin keine Haushaltsperle, war ich noch nie. Trotz Geschirrspühler sieht meine Küche manchmal übel aus und Boden wischen müsste ich alleine wegen dem Hund schon immer mal. Meine Mutter hat sich zwar alle Mühe gegeben, ich bin aber einfach ein bißchen schmuddelig geworden, alleine um mich abzunabeln, wer weiß.

Nun war ich gestern spontan bei Antje – sie war krank und ich dachte ich könnte ihr ein Stück Kuchen und ein Buch vorbei bringen. Ich renn also die Treppen hoch, wie üblich riecht es moderig und nach Katzenpisse im Treppenhaus und Antje steht schniefend in der Türe. Sie hat sich aus dem Bett rausgequält, weil die 4 anderen WG Mitbewohner ja keinen Besuch erwartet haben und somit auch nicht die Türe auf machen.

Dieses „jeder kümmert sich um jeden“ scheint nur zu funktionieren wenn es um den Inhalt vom Kühlschrank geht. Nun ja – egal. Antje liegt also auf ihrem Bett und nimmt Papiertaschentücher – das hab ich ihr auch angeraten – bei einer Erkältung sind Stofftaschetücher eine Quahl. Ich decke meine Antje schön zu und sage, dass ich Tee mache. Auf dem Weg in die Küche seh ich einen Korb mit Schmutzwäsche, T-Shirts von Antje, im Flur stehen und die inkontinente Katze von einem ihrer Mitbewohner oben drauf. Der ganze Korb verströmt einen eigenartigen Geruch. Ich schnappe mir den Korb um ihn gleich mal in die Waschmaschine zu werfen. Die ist aber noch besetzt. Ein paar Jeanshosen und Geschirrtücher liegen darin, seit ein paar Tagen wies riecht. „ja, ich habs vergessen, spüls halt nochmal durch.“ sagt Frank. Auf meine Anmerkung, dass man sich diesen Strom und das Wasser hätte sparen können, kommt dann nur ein: Ach das bißchen.“ Die Klamotten stinken danach immer noch. Wie oft kann man denn Waschnüsse eigentlich nehmen? Die Shirts von Antje wasch ich anstatt auf 30° auf 60°. Wieder eine Verschwendung die nicht hätte sein müssen, wenn jemand die Katze rechtzeitig raus geworfen hätte. Zu den Papiertaschentüchern im gelben Sack sag ich schon gar nichts mehr.

Die Tassen sind alle schmutzig und als ich nach einer sauberen für die fiebrige Antje frage, wird eine einzelne Tasse unter fliesendem Wasser abgewaschen. Einen Spritzer Spüli drauf und sauber ist sie. Nach ca. 5 l Wasser, denn die Kruste war schon etwas härter. Mit dem Wasser was da gerade den Abfluss runter gelaufen ist, hätte man locker die Hälfte des schmutzigen Geschirres abwaschen können. Jana kommt vom joggen und läuft mit schlammigen Turnschuhen über den Teppich im Flur zur Küche, geht zum Kühlschrank und während sie ihr natürliches Volvic Wasser trinkt bleibt sie in der offenen Kühlschranktür stehen. Ich frage nach einem Besen, weil Antje wieder traurig wird wenn es im Flur so aussieht. Gibt es nicht. Man saugt kurz drüber. Aber das ist ein Staubsauger, kein Drecksauger. Wenn man vor dem saugen mit dem Besen durch die Wohnung geht, reicht den Staubsaugerbeutel 10 mal so lange und man ist auch schneller mit dem saugen/Strom verbrauches fertig. Wen man seine Jacke an die Garderobe hängt und nicht nur über einen Stuhl wirft, muss man sie weniger oft waschen, weil sie nicht so schnell schmutzig wird und wenn man in der Wohnung Hausschuhe anzieht, kann man sich wohl möglich ein bis zwei Grad Raumtemperatur sparen. Gardinen und Vorhänge, der Inbegriff von Spießigkeit, sparen auch noch mal einen Grad oder mehr. Thermoskannen sparen Strom, genauso wie man erst eine viertel Stunde später die Raumbeleuchtung anmachen muss wenn die Fenster gut geputzt sind. Das alles erzähl ich Antje, die kann schon wieder lachen und meint ich höre mich an wie ihre Oma. Aber die hat offenbar gewusst wie gespart wird. Vielleicht sollte man sich den ein oder anderen Tipp mal von seinen Großeltern geben lassen. Die hatten nicht nur kein Essen zum verschwenden, sondern auch keine Energie und keine Zeit zum verschleudern. Ordnung ist ja nicht dazu erfunden worden um die Menschen irgendwie zu beschäftigen. Vielleicht haben die Sachen nur deshalb so lange gehalten, weil man nicht mit Schuhen auf dem Teppich gelaufen ist und am Küchentisch gegessen hat und nicht mit der Schüssel in der Hand auf dem Sofa gelegen hat.

Diese Erkenntnis kam über mich inmitten Antjes Unordnung und ich bin dann gleich mal nach Hause gegangen um zu gucken wo ich noch Energie, Zeit und Arbeit sparen kann.

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