Zu arm um fair zu sein – Schweinehunde

Einer meiner ersten Schweinehundtexte. Zu der Zeit war ich noch nicht mal Vegetarier. Das ist erst ein paar Wochen später passiert.

Mich hat es immer geärgert, dass die Studenten, die bei uns Containert haben (weggeworfene Lebensmittel aus Mülltonnen retten), immer die meisten Sachen aus den Mülltonnen geholt haben, wo die Menschen besonders laut geschrien haben, dass es viel zu teuer ist bio oder fair zu kaufen.

Ja, wir werden mit Großpackungen und vermeintlichen Sonderangeboten dahin gelockt viel und mehr zu kaufen. Aber wenn man nur ein bißchen guten Willen hat und sich ein bißchen Zeit nimmt sich mit seiner Nahrungsaufnahme zu beschäfigen, dann ist es pipieinfach und billig. Man muss keine überteuerten Zutaten haben wie Mandelmus, Goibeeren oder Chia. Oder wie der ganze Kram heißt. Es war doch klar, dass die Konzerne diesen Zug nicht abfahren lassen, ohne selbst in der ersten Reihe sitzen zu wollen.

Transfair Kaffee, Kakao und Reis gibts inzwischen sogar bei LIDL. Hier hat man dann allerdings auch gleich mal die Chance zum Preisvergleich und wenn man sowieso jeden Cent zwei mal umdrehen muss brauch man schon eine große Portion Idealismus um für das selbe einfach mal doppelt soviel aus zu geben.

Ja – du holst den billigen Kaffee für 3,95 das Pfund. Dafür machst du jeden morgen eine ganze Kanne und nicht nur 2 Tassen. Der erste Kaffee schmeckt noch ganz lecker, die zweite Tasse hätte man sich schon sparen können und die dritte wird in der Tasse kalt. Der Rest bleibt eine Stunde in der Glaskanne, die auf einer Stromfressenden Wärmeplatte steht und schmeckt dann so bitter, dass man ihn gleich weg kippt. Du hast also zwei Euro gespart – und was hast du davon? Ja wenn ich so mit Kaffee um mich kippen würde, dann könnte ich es mir auch nicht leisten, fair zu sein. „Na Tanja du bist ja naiv, glaubst du denn wirklich, dass das wirklich fair gehandelt ist? Ich glaubs ja nicht.“ Ma klar – rede dir dein Gewissen ruhig rein. Nicht du bist ein Verschwender, sondern ich bin naiv. Aber dann tu ich wenigstens meinem Körper einen Gefallen, weil ich nicht mehr literweise Kaffee rein schütte.

Mit der Familie schön am Tisch sitzen, Abendbrot essen und sich unterhalten wie der Tag war… toll. Da schmeckts gleich viel besser. Und damit es nicht aussieht wie bei armen Leuten der fette Wurstteller, man gönnt sich ja sonst nichts. Salami, Bierschinken, Mortadella, Jagdwurst, Leberwurst und Teewurst… Leider, leider gehört man aber nicht zu den „gutbetuchten“ und weil die Kinder so viel essen gehts nicht anders – schön abgepackte Wurst für weniger als 1€ die Packung. Da kann man auch zweimal zulangen (wenn der Arsch nicht mehr in die Hose passt – im Kick gibts Jeans für 5€) und die Wurst muss auch richtig dick aufs Brot weil dieses soviel Geschmack hat wie Pappe – hat aber auch nur 99c gekostet. Was soll das für Wurst sein frag ich dich. Mit Medikamenten Vollgestopfte Schweine werden erst zum töten durchs Land gefahren, danach werden die Schweineleichen zum zerteilen und verpacken auch nochmal rumkutschiert. Das ist Fett mit Gewürzen und Haltbarmachern und Salzen – ne danke – und ich kann noch nicht mal ein Butterbrot essen weil das Brot so eckelig schmeckt. Da sitz ich dann, gucke zu wie sich Menschen die ich liebe mit Dreck vollstopfen und du hast auch noch die neue „Frau im Spiegel“ gekauft weil man dort lesen kann wie man mit der Nudeldiät täglich ein Pfund los wird. Und du klagst das deine bessere Hälfte auch immer dicker wird. Von weniger, dafür besser essen willst du nichts wissen.

Oder nehmen wir z.B. mal unser täglich Brot. Unser Grundnahrungsmittel. UNSER NAHRUNGSMITTEL. Während bei und die Bauern subventioniert werden, damit sie Energiemais zum verbrennen anbauen, essen wir Brot, das aus Mehl aus Indien gebacken wird. In Indien verhungern Menschen und ganze Landstriche veröden wegen Monsanto Getreidefeldern, damit wir hier das billigste Brot essen können, was am zweiten Tag noch nicht mal getoastet schmeckt und glotzen dabei auf unsere schönen Biogasanlagen, womit wir glauben die Welt zu retten.

Wir sorgen mit unsrer Geiz ist Geil Mentalität für Ungerechtigkeit und Chaos weltweit und bekommen nie genug.

Und dann wird greinend geguckt, das Manager sich Millionen Abfindungen einstecken.

Aber das können sie auch nur, weil sie das Geld dazu bekommen und zwar von Menschen die Produkte dieses Konzerns konsumieren. Also von uns.

Wir sind nicht zu arm um fair zu sein. Zu faul und bequem. Die Ausrede kann ich akzeptieren und manchmal sogar verstehen. Aber komm mir nicht mit deiner Armut.

2 Gedanken zu “Zu arm um fair zu sein – Schweinehunde

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s