Schüleraustausch

Wer Kinder hat, der wird sich irgendwann mit dem Thema „Schüleraustausch“ auseinander setzen.

Ich selbst war mit 16 für einen Monat in den USA. Und mein Austauschschüler James kam kurz drauf einen Monat zu uns. Ein ganzer Monat ist recht lange, wenn man plötzlich auf engem Raum mit fremden Menschen zusammen lebt.

Deswegen war ich recht froh, dass die Tauschgeschichten des lieben Fräuleins immer recht kurz waren. Nicht länger als 10 Tage glaube ich.

Manche deutsche Eltern haben mich recht fuchtig gemacht. Obwohl ein Gästezimmer vorhanden war und genügend Platz, weigerte man sich beharrlich einen Austauschschüler auf zu nehmen. Obwohl man vorher sein eigenes Kind in eine fremde Familie geschickt hat. Keinen Bock auf Stress. (Ihr seid egoistische Arschgeigen)

Ich habe den Spaß zwei mal mitgemacht und in der Zeit hat das liebe Fräulein sein Zimmer für den Gast geräumt und hat bei mir geschlafen, wir sind alle ein bißchen zusammengerückt und haben jemand anderen in unsere Familie aufgenommen.

Der sprachliche Lerneffekt blieb aus. Aber es war eine interessant und gute Erfahrung. Es ist also Möglich so etwas zu Ermöglichen. Wenn man natürlich auf den Schlamm hauen will und nach dem Motto, mehr Schein als Sein lebt, ist das für mehrere Tage natürlich schwer.

Ich bin immer davon ausgegangen, dass diese Schüler lernen wollen wie es ist, in einer deutschen Familie zu leben. Da ist es wohl kontraproduktiv ein Theaterstückchen vor zu spielen.

Also, wenn eure Kinder irgendwann mit einem Zettel ankommen, auf dem sie die Zusage für einen Schüleraustausch unterschrieben haben wollen, dann macht das einfach. Und schickt eure Kinder zu jedem Schüleraustausch, den sie machen können.

Von ein paar Tagen komischem Essen und einer ungewohnten Umgebung ist noch keiner gestorben.

Die Eindrücke die man sammelt, wenn man kurz mit einer fremden Familie zusammen lebt, bekommt man während keinem Urlaub.

Ohne meinen Schüleraustausch wären die USA für mich vielleicht auch so ein unerreichter Traum. Nun wo ich mal da war und die Menschen mit ihren Traditionen kennen gelernt habe kann ich von ganzem Herzen sagen, dort möchte ich nicht tot überm Zaun hängen.

Deswegen hier die alte Schüleraustausch Geschichte.

Das liebe Fräulein war letztes Jahr zum Schüleraustausch in Dänemark. Und ich war mir damals schon darüber im Klaren, was der Name Austausch beinhaltet.

Sie ist nett aufgenommen worden und letztens war ich also an der Reihe jemanden nett auf zu nehmen.

Wir hatten keinen Schimmer wer da kommen sollte, deswegen wurde das Krähennest auf Hochglanz poliert. – Mit Fenster putzen und feucht durchwischen und allem was so dazu gehört und was man eigentlich jedes Wochenende machen sollte aber trotzdem nicht gemacht wird.

Und, wie kann es anders sein, habe ich nochmal ordentlich Kuchen gebacken um ein bißchen auf den Schlamm zu hauen. Das es ein Junge ist, dass haben wir erst gemerkt als er vor uns stand. Keine Ahnung was ihn mehr erschreckt hat, der strenge Blick und die geblähten Nasenflügel des lieben Fräuleins oder mein infantiles Grinsen, mit dem ich ihm eigentlich mein Wohlwollen und Gefahrlosigkeit vermitteln wollte.

Aber eigentlich hat er nur richtig Angst vor Hunden, weil er mal mit 7 Jahren gebissen wurde. Also hat er sich kein bißchen über Hund gefreut und auch keinen Wert auf eine stürmische Begrüßung gelegt. Hund durfte auch nicht bei ihm im Bett schlafen und verbrachte tatsächlich die Nächte in seinem Körbchen.

Als er den Kühlschrank voller Insulinspritzen packte, verabschiedete ich mich von dem Gedanken endlich einen wertschätzenden Gaumen für meinen Kuchen zu beherbergen. Beim Frühstück fragte er nach Schinken weil er eben mal am liebsten Fleisch isst. Hallo wozu haben wir diese ganzen Angaben auf diesem Bogen gemacht? Das wir mit Hund zusammen wohnen und wir Vegetarier sind? Fleisch ist nicht! Nein, auch keine Wurst.

Aber im Großen und Ganzen war es recht spannend. Mein Englisch ist inzwischen richtig gut und ich fand es kuschelig mit dem lieben Fräulein in meinem Bett zu schlafen und es ist auch wieder vorbei.

Wenn ich da an die russische Austauschschülerin von vor 3 Jahren denke, dass war schlimmer. Die hatte nur Interesse an Klamotten aus dem New Yorker, die hier viel billiger sind als in Russland, war eher unfreundlich und obendrein ständig angetrunken. Das liebe Fräulein ist jetzt in der 11. Und die Tage der Schüleraustausche sind gezählt. Aber man muss es mal mitgemacht haben. Oder auch nicht. Aber man verpasst was. Wenn es auch nur das tolle Gefühl ist die Wohnung wieder für sich zu haben.

4 Gedanken zu “Schüleraustausch

  1. Find ich echt super!
    Wir haben uns als alternative bei couchsurfing eingetragen, aber hier mitten ins ländliche nirgendwo hat es noch niemanden herverschlagen….
    Greets cao

    Gefällt 1 Person

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