Lesepröbchen

So – hier kommt zum Wochenende eine kleine Leseprobe. Unlektoriert. Einfach so, mitten aus dem Manuskript. Ich hoffe es macht Lust auf mehr.

 

Mit ihrem Einkaufsbeutel steht Greta im Fitnessstudio und sucht sich suchend nach Carlos um. Er steht bei einem Kunden und erklärt ihm das Laufband. Seit sie so ein Gerät einmal aus Versehen zu schnell gestellt hat um dann laut über ihre eigenen Füße zu stolpern um im hohen Bogen runter zu fliegen, geht sie noch nicht mal in die Nähe dieser Teile. Zumal sie ja vorher schon unangenehm aufgefallen sein muss, da sie es nie auf die Reihe kriegt mit Kopfhörern laut Musik zu hören ohne mit zu singen. Das passiert irgendwie immer automatisch. Und wenn man sich selbst nicht singen hört, passiert es halt, dass man die ersten Silben immer wieder verschluckt. Na auf jeden Fall ist sie erst mal eine Weile nicht zu Carlos gegangen, obwohl sie hier kostenfrei trainieren kann und Carlos samt seiner Fitnesskauffrauen breit grinsend meinte es wäre ja sooooo peinlich gar nicht gewesen.

Strahlend kommt Carlos auf sie zu: „Na Süße, Laufband?“ „Wann wird sich diese Geschichte verjähren? Meinst du ich kann irgendwann zu dir kommen ohne darauf angesprochen zu werden?“ „Nope. Das war zu gut.“ feixend gibt er ihr einen Spindschlüssel. „Wir sehn uns beim Poweryoga.“

Greta ist alleine im Frauen Umkleideraum. Ihre Jogginghose und den angeranzten Sweater, die sie eben mal schnell in ihren Einkaufsbeutel geworfen hat, lassen ihre Figur wahrscheinlich besonders gut zur Geltung kommen. Aber die durchgesylten Fitnessstudio-Zicken sind ihr eh ein Dorn im Auge. Davon springt immer ein halbes Dutzend um Carlos rum. Ein Blick aufs Mobiltelefon, eine Nachricht von Christian: „Ich habe für morgen eingekauft. Hoffe das war in Ordnung. Habe schon alles zu euch gebracht, Wilhelmine war da. Danke für alles! Christian.“ nach kurzem überlegen antwortet sie: „Kein Problem, mach ich doch gerne. Emy macht nie Stress. Danke für die Einkäufe. Greta.“ Sie legt ihr Handy ins Spind, schließt die Türe ab und will sich umdrehen als sie ein komisches Gefühl beschleicht. Hitze steigt ihr zum Hals hoch. Sie schließt wieder auf, nimmt das Telefon raus und guckt sich den Gesprächsverlauf an. Tatsächlich. Sie hat ein Kussmund am Ende ran gehangen. Wie sie es immer macht wenn sie Nachrichten schreibt. An Wilhelmine, Nic, Kati oder Carlos. Das ging jetzt auch automatisch. Sie schließt kurz die Augen, atmet tief durch und wirft das Handy wieder in den Spind.

Als sie raus kommt wartet Carlos schon an der Türe. „Verdammt das sind Straßenschuhe.“ „Was soll das jetzt, ich habe keine extra Sportschuhe und die Sohlen sind sauber. Sie hebt die Schuhe an um ihrem Bruder die sauberen Sohlen zu zeigen. Hat sie schließlich erst ausgeklopft. So richtig feste, bei Beate auf der Fußmatte. Carlos kneift sich mit Daumen und Zeigefinger in den Nasenrücken und murmelt: „Geh trotzdem noch mal zurück und kontrolliere dich mal ob du wirklich so raus gehen willst.“ Jetzt merkt sie es auch. Als sie vor ein paar Tagen ihre Jogginghose beim Fernseh gucken getragen hat, hat sie als sie ins Bett ging, die Hose, samt Schlüpfer und Socken abgestreift und über ihren Klamottenstuhl gehängt und jetzt ihre Hose samt Schmutzwäsche eingesteckt und als sie eben im Stress in ihre Hose gesprungen ist, hat sich eine Socke zusammen mit ihrem Slip im rechten Hosenbein verfangen. Dort zeichnet sich deutlich eine Tennisball große Beule ab. Sie geht zurück in den Umkleideraum, auf dem Weg zum Spind liegt auch die zweite Socke. Seufzend wirft Greta alles in den Spind. Ein blinken verrät ihr, dass sie schon wieder eine Nachricht bekommen hat. Wahrscheinlich einen Stinkefinger als Antwort auf den Kussmund. Nein, sie guckt jetzt nicht nach.

Verschwitzt steht sie auf der Matte und bereut es, sich von Carlo überreden lassen zu haben. Der steht schweißfrei neben ihr hält aufrecht seinen linken Fuß in den Händen, während er mit dem rechten Bein fest und gerade auf der Matte steht. Die Yogalehrerin kommt auf Greta zu. „Wenn du das nicht schaffst, stress dich nicht. Das ist eben nicht deine Übung. Ich zeige dir eine einfachere Variation.“ Das ganze wäre furchtbar nett gewesen, wenn sie die gutgemeinten geflüsterten Ratschläge nicht auch gleichzeitig in ihr Headset geflüstert hätte. Jetzt wussten es alle. Danke. Carlos wurde noch gerader im Rücken und guckte fast gelangweilt. Shanti, wie sich die Yogini nennt, dreht sich strahlend in Carlos Richtung. „Hier sieht das richtig perfekt aus.“ lächelt sie und streicht sanft seine Wirbelsäule entlang um sich zu vergewissern, dass sie auch wirklich so gerade ist wie sie aussieht.

Carlos lächelt zurück und Greta wird schlagartig klar, warum es so wichtig war, dass sie heute mit Carlos zusammen die Neue inspiziert. Neben Greta sieht Carlo nämlich besonders prächtig aus. „Dir ist schon klar, dass du nachher einen Tritt in die Eier kriegst, dass du es nicht mehr aufrecht hier raus schaffst?“ „Jetzt komm aber, ist doch cool. Hab ich nicht geahnt, dass du so ne Lusche geworden bist. Du hättest halt öfter kommen sollen.“ „Du weißt genau warum ich das nicht wollte.“ „Das Ding mit dem Laufband ist jetzt so lange her, daran erinnert sich kein Schwein mehr.“ raunt ihr Carlo zu. „Genau.“ flüstert jemand aus der Reihe hinter ihr „und so schlimm war es wirklich nicht.“ Begleitet von haltlosem Kichern rutscht Greta in die nächste Yogapose die bedauerlicherweise nicht „Kopf in den Sand“ heißt.

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