Hach – Spananien <3

Seit ich mich entschieden habe Spanien zu verlassen und das auch noch früher als zum ursprünglich geplanten Termin, ernte ich ziemlich viel Unverständnis. Und natürlich prophezeit mir jeder, wie sehr ich das dann bereue, weil in Deutschland ja alles so doof, im Osten obendrein noch rechts und speziell in Halle alles ziemlich assi wäre. Nun, selbst wenn, ich kenne das ja alles und empfinde es tatsächlich nicht so. Wie in jedem Land brüllen die Doofen meist am lautesten und deswegen sieht das vielleicht erst mal so aus, aber ich mag Deutschland. Also die Landschaft, die Städte, die Dörfer und manchmal auch Deutsche Andersartigkeiten. Die Politik, die uns an die Wirtschaft verkauft hat finde ich scheiße und jede AFD Stimme würde aber nur Zeigen, dass ziemlich viele Doofe zur Wahl gegangen sind, nicht aber, dass in Deutschland alles doof ist. Und ich weiß, dass ich, wenn ich wieder nach Hause komme, mich weiter übelst Beschweren und Wehren und Meckern, aber nur so kann ich zumindest mein Umfeld mitgestalten. Vor ein paar Tagen meinte jemand zu mir, wenn ich Deutschland so toll finde, soll ich mich doch bitteschön an Deutsche Gesetze halten und wie alle gesetzestreuen Bürger GEZ bezahlen. Nein.

Aber ich würde gerne über die Unterschiede reden. Ich gehe jeden Tag mit meinen Hunden spazieren. Ich treffe viele Menschen und alle grüßen, wie ich auch, freundlich. Viele Urlauber sagen dann „Ach, hier wird man so freundlich gegrüßt und in Deutschland ist das ja nicht so.“ Leute ich weiß nicht wo ihr herkommt, aber wenn ich mit dem Hund am Hufeisensee, am Kanal, Rabeninsel oder Peißnitz unterwegs war, bin ich meistens von Leuten die mir entgegenkommen gegrüßt worden. Genau so beim joggen. Und die paar Leute die so in Gedanken sind, dass sie es gar nicht richtig registrieren wenn einem einer entgegenkommt oder die, die einfach nicht grüßen wollen, die habe ich hier auch getroffen. Also es gibt auch Spanier die so sind. Aber ich rede auch von Orten wo man ab und an eine Person trifft. Wenn ein Volksauflauf ist und man sich gar nicht mehr unterhalten oder seinen Gedanken nachhängen könnte, weil man im Sekundentakt Hallo rufen müsste, finde ich Grüßen eh sinnfrei.

Hier gibt es aber noch eine Besonderheit. Z.B. in Algodonales ist um den Marktplatz ein Kreisverkehr und die Straßen sind hier eh immer eng. An der anderen Straßenseiten sind dann kleine Kneipen und Cafes. Dann kann man nicht unoft beobachten, ein Auto hält an und es wird sich aus den Auto heraus lautstark mit jemandem unterhalten der da an einem Tisch sitzt und gerade was trinkt. Die Autos stauen sich bis zur Kirche hoch, weil keiner dran vorbei kommt und keiner hupt, alle warten geduldig. Hier hört man dann auch oft „In Deutschland wäre schon längst gehupt worden.“ Ja, das hoffe ich doch. Und ich hoffe von ganzem Herzen, dass das noch so ist wenn ich wieder zurück komme. Wenn ich im Auto sitze will ich von A nach B und das in einem angemessenen Zeitrahmen. Es kann ziemlich viel passieren. Unfall oder Autopanne und davon lass ich mich auch nicht aus der Ruhe bringen. Schicksal, das ist nun mal so, da ist hupen und schimpfen vollkommen unangebracht. Aber weil zwei sich treffen und Schwätzchen halten wollen? Am Arsch! Park irgendwo und geh dann da hin oder ruft an. Hier hat doch auch jeder ein Smartphone in der Tasche. Es sind doch nur 5 Minuten? Und wenn sich jeder diese 5 Minuten Rücksichtslosigkeit gönnt, wie viel Zeit sitze ich im Auto und warte. Dann kommt nämlich schnell mal eine viertel Stunde zusammen, wenn man durch die Stadt fährt. Allerdings, wenn hier eine Mutter mit Kinderwagen über die Straße fähr und auf der anderen Seite nicht gleich auf den Gehweg kommt, weil der so hoch ist, dann ist es das natürlichste zu warte, langsam zu fahren und die Mutter mit Kinderwagen würde nicht hetzen um den Autofahrern nicht mehr im Weg zu sein und die würden es nicht wagen rum zu fuchteln oder genervt zu tun. Alte Leute wackeln hier in aller Seelenruhe über die Straße. Das finde ich dann wieder recht gut.

Müll liegt hier auch überall rum. Zwar keine Einwegrille, aber dafür Plastikflaschen. Hier gibt es keinen Pfand.

Hier sieht man auch ziemlich viel fette Kinder und Jugendliche. In den vielen kleinen Läden werden zwar viele regionale Produkte verkauft, aber Nestle ist hier scheinbar DIE Marke. So viel Süßkram ist unglaublich. Und hier darf der Markenname tatsächlich noch drauf stehen. Regaleweiße Zucker – da muss man sich nicht wundern wenn hier kleine Jungen mit Brüsten und kleine Mädchen mit Orangenhaut rumrennen. Aber irgendwie hat auch jeder Ort sein eigenes Fitnessstudio im Freien. Also es könnte schon was gemacht werden und es wird auch genutzt. Nur von zu Wenigen.

Nun ja, ich mag Spanien. Im März und April und im September und Oktober. Dazwischen nicht so. Ich vertrage die Hitze nicht. Ich würde vermutlich alles genau so wieder machen. Weil ich für mich ziemlich viel gelernt und erlebt habe.

Gut, dass ich so wenig verdient habe, dass ich mit 0 hier wieder weg gehe, hätte ich nicht gedacht. Da war ich ein bißchen gutgläubig. Aber was solls. Dafür habe ich einen zweiten Hund, habe die besten Oliven gegessen, habe Zitronen, Orangen, Grapefruits, Feigen und Granatäpfel gepflückt, weiß jetzt wie die besten Burger gemacht werden und Pizzakäse, habe Geckos in der Hand gehalten, ein Kätzchen 9 Tage lang mit der Milchspritze aufgezogen, habe sehr liebe oder auch einfach nur interessante Menschen getroffen UND ich habe gelernt, dass ich niemand bin der gerne reist. Ich bin jemand der gerne ankommt. Vorzugsweise in Deutschland. Am besten in Halle.

Was natürlich nicht in Stein gemeiselt ist. Weil ich nämlich auch gelernt habe, dass man sich gegen sein Schicksal nicht erheben braucht und, dass man niemals nie sagen sollte und überhaupt.

UND – auch eine interessante Lektion – selbst total abgebrannt und ohne Plan und Schuhen ohne Löchern, wird das Elend auch zur Komfortzone, die man nur ungern verlässt, weil es so anstrengend ist weiter zu gehen und weil man nicht weiß ob es noch schlimmer kommen kann.

2 Gedanken zu “Hach – Spananien <3

  1. Manchmal muss man weg gehen und zurück kommen, um zu sehen, was für einen zählt. Hättest Du es icht gemacht, wärst Du bei weitem icht so weit, wie Du jetzt bist.
    Hm – wenn ich mir das so durchlese, finde ich, es hört sich ein bisschen wirr an. Aber Du verstehst bestimmt, was ich meine 😉. Gute Reise!

    Gefällt 1 Person

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