Schubladendenken

Hier noch mal mein nervender innerer Kritiker. Der mag es ja hübsch geordnet und deswegen denkt er in Schubladen.

Und da ich ja bis vor kurzem nichts von ihm wusste, konnte er mein Unterbewusstsein beeinflussen, ohne das ich es so richtig gemerkt habe.

In der Schublade „Yogis“ waren die Eigenschaften „Alkoholfrei, täglich eine Stunde Asanas praktizieren, eine Stunde Pranayama, nur gute Gedanken denken, gewaltfrei und stets um sein Karma bemüht sein“ und ähnliches.

In der Schublade für Ökos waren die Karteikarten beschriftet mit „unrasierte Achseln und Beine, ungefärbte Wolle, Holzmöbel, Plastikfrei, Katzen“ und so weiter.

Die Aussteigerschublade enthält „kein Internet, schon gar kein facebook Profil, reisen, Lagerfeuer und Gitarre spielen“ blabla.

Wer meint Autark leben zu wollen kann nicht in den dm Markt gehen und sich da Nagellack im Sonderangebot holen.

Dann waren da noch die unerwünschten Schubladen. In der Spießerschublade lag „Mittagessen um 13 Uhr, früh ins Bett gehen, Haftpflichtversicherung, fester Wohnsitz“ und der ganze Kram.

Es sind einfach zu viele Schubladen. Gut, Böse, schön, hässlich, erwünscht, unerwünscht und viele mehr

Und dann hat der kleine Bekloppte in seinem Kämmerlein gesessen, zufrieden vor einem Apothekerschränkchen voller Karteikarten, alles an seinem Platz.

Und ich, unbedarft wie ich manchmal bin, renne darum, und halte mich kein bißchen an die mühsam anerzogenen Stereotypen. Und der Kritiker schickt in seiner Verzweiflung Botschaften an mich. In Form von Selbstzweifel, schlechtem Gewissen und Mutlosigkeit.

Aber er braucht die Schubladen.

Also, damit er zufrieden ist, nehme ich eine Neue, schreibe meinen Namen drauf und öle die Seiten gut ein, damit sie leicht rein und raus flutscht. Denn die Möglichkeit besteht, dass sie oft auf und zu gezogen wird. Es ändert sich vermutlich immer mal was.

Und da haben wir schon die erste Karteikarte die mit „Darf sich von heute auf morgen verändern“ beschrieben wird.

Da ich ja, wie alle anderen auch, einzigartig bin, werden ein paar neu beschrieben werden müssen. Aber ich nehme mir auch ganz viel aus anderen Schubladen. Da sie eh alle mir sind darf ich das. Und vielleicht finden das andere komisch. Aber der der am meisten protestiert ist der eigene Kritiker. Ich nehme mir „Nagellack in Koralle auf die Fußnägel“ aus der Tussischublade. „Strom und Internet sind tolle Erfindungen“ zusammen mit der „Ich finde mein Smartphone klasse.“ aus einer Schublade die ich mit „Böse“ beschriftet hatte. Die Vegankarte ziehe ich aus der „Gut“ Schublade und schreibe „fast“ darüber, weil ich z.B. Honig esse. Allerdings ausschließlich von örtlichen, kleinen Imkereien. „Täglich eine Stunde“ wird durch gestrichen und deswegen steht auf der Karte die in meine persönliche Schublade gelegt wird nur noch „Yogapraxis.“

Ich dachte ich wäre nicht so. Ich hab mich immer für anders gehalten. Wie konnte es mir passieren, dass mein Unterbewusstsein sich so an Stereotypen klammert? Ich bin doch dagegen und tätowiert und ausgestiegen, vegan und total anders eben. Ich vermute mal, es liegt an der Schublade Mensch die „sucht nach Sicherheit“ und „braucht Beständigkeit“ enthält. Und in der großen Schublade stecken nun mal alle drinnen.

Ich freue mich jetzt drauf meine ganz persönliche Schublade zu füllen und mich dabei ungeniert an Allgemeinplätzen und Stereotypen zu bedienen. Wenn ich neue Karten schreiben muss, dann benutze ich dazu Glitzergelstifte oder Kuli oder einen dünnen Filzstift. Was passt. Wenn ich gerade nicht weiter weiß kann ich ja meinen inneren Kritiker fragen, oder auch mal meinen Schweinehund, der gerade eine Karte mit „Kartoffelchips“ beschreibt und ein Herz drum malt. Und vorne auf die Klappe mach ich vielleicht ein Einhornaufkleber oder ein Blümchen. Weiß noch nicht.

Auf jeden Fall wird’s voll schön.

2 Gedanken zu “Schubladendenken

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