Jobcenter Grrrrrrrrauen

Nun, ich hatte letztens Besuch und habe dort meine jüngsten Erlebnisse im Jobcenter geschildert. Man meinte es wäre einen Blogeintrag wert. Nun habe ich mich erst mal ein bißchen geziert, weil mir schon unheilbare Naivität und Blödheit attestiert wurden. Und auch wenn ich recht schmerzbefreit bin und mir die Meinung der meisten Menschen nicht sonderlich wichtig ist, das viele lachende Kopfschütteln das ich geerntet habe hat mich doch etwas verlegen und unsicher gemacht. Nun das ganze kam so…

ich wollte zurück nach Hause und hatte überlegt was und vor allem wie ich das so mache. Meine ganze Ersparnisse waren aufgebraucht und verdient habe ich nicht wirklich viel. Da ich mit der Aussicht 200€ am Tag zu verdienen nach Spanien gelockt worden bin, hatte ich auch gedacht, dass es nicht alleine meine Schuld wäre, dass ich in der Situation bin und deswegen wollte ich mich in Deutschland dann auch erst mal Arbeitslos melden. Damit zumindest meine Krankenversicherung gesichert ist wenn ich noch in den Kinderschuhen zur Selbstständigkeit stecke.

Ich kenne Menschen die langzeitarbeitslos sind, Leute die sich während der Arbeitslosigkeit eine Selbstständigkeit aufgebaut haben und Leute die Harz 4 bekommen und nebenher Freiberuflich arbeiten und ich dachte – na wenn die über die Runden kommen, dann ich auch. Wenn jedes Nagelstudio, Sicherheitsfirma oder Putzfirma unterstützt wird, warum nicht ich.

Und weil ich alles richtig machen wollte, habe ich noch von Spanien aus beim Arbeitsamt angerufen.

Mein Anruf schien eine persönliche Beleidigung zu sein. Erstmal wäre es eh fraglich ob ich überhaupt Geld bekomme, denn ich habe ja schließlich selbst gekündigt. Und ob mein Chef wirklich ein Choleriker war, mich beschimpft hat und jeder Lohnschein zwei mal geprüft werden musste, dass wird erst mal geklärt, dazu wird sich mit ihm in Kontakt gesetzt und dass kann dauern. Bis zu drei Monaten und so lange gibt es auch kein Geld und wenn ich mich eh Freiberuflich betätigen will, dann brauche ich mich gar nicht Arbeitslos zu melden, sondern soll besser gleich zum Jobcenter gehen. Weil man darf nicht arbeiten wenn man Arbeitslos ist. Gut, inzwischen habe ich Leute kennen gelernt, die genau das getan haben und zwar richtig angemeldet und auch noch andere Unterstützung bekamen, wie ein Existenzgründerzuschuss – aber egal – im Arbeitsamt wollte man mich nicht sehen. Bis ich erst mal verstanden habe, dass Arbeitsamt und Jobcenter zwei vollkommen unterschiedliche Stellen sind, das hat auch gedauert.

In Deutschland angekommen bin ich dann froh nach Halle Neustadt zum Jobcenter gefahren.

Ich habe mich an die Schlange angestellt, voll des Mitleids mit den Angestellten vom Jobcenter. Da standen sie alle. In einer Hand die Kippe in den vergilbten Fingern, in der anderen Hand die Plastiktüte mit den Erfrischungsgetränken, die Gesichter aufgedunsen die vorhandenen Zähne gelb und immer einen Ticken zu laut am rumgröhlen.

Und ich dachte so „Meine Güte was für Typen, die freuen sich bestimmt volle Bude wenn sie mich sehen. Gewaschen, nüchtern, motiviert und mit einem Plan, da müssen sie sich nicht weiter kümmern.“ Mit der Einstellung habe ich still und bescheiden gewartet bis meine Nummer aufgerufen wurde und ging dann freudestrahlend auf eine Sachbearbeiterin zu.

Ja sie war arrogant und mehr als unfreundlich. Aber sie hatte auch einen jungen, attraktiven Burschen bei sich. Und dass kannte ich ja schon von meiner Arbeit. Frauen die es lieben aus einer höheren Position, andere Frauen zu schikanieren. Wenn die Frauen jünger sind und keine dreistellige Hosengröße haben, dann wird noch mal richtig drauf gehauen und wenn noch Männer dabei sind, dann aber richtig. Damit der Jungspund gleich weiß wer hier die Löwin im Stall ist.

Nun gut, die Dame leierte runter was ich zum richtigen Termin mitnehmen müsste und lachte sich ins Fäustchen weil ich immer ungläubiger guckte. Meine Geburtsurkunde? Meine was für Briefe? Was für Anlagen?

Dann meinte sie noch, dass ich mir bloß nicht einbilden solle, dass der Jobcenter hier Brotlose Kunst unterstützen würde. Wenn ich denn Geld kriege, dann sollte ich wohl recht bald einen Verdienst vorweisen können, sonst würde man mir die Unterstützung mal ganz schnell streichen.

Ich blieb freundlich und freute mich auf den nächsten Termin. Blöder könnte er wohl kaum laufen.

Zwei Wochen später ging ich dann wieder hin. Immer noch in dem Glauben, dass man mich schon zu meinem Besten beraten wird. Dass man von kompetenten, wohlwollenden Personen beraten wird, die einem sagen können was und wie man am besten ausschöpfen kann um etwas erfolgreiches auf die Beine zu stellen.

Ja, ich weiß ich bin blöd.

Erstmal wurde nur ein Viertel von den Kopien gebraucht die ich alle mitgeschleppt hatte. Mein Sachbearbeiter wunderte sich selber wozu ich die mitbringen sollte.

Ich musste eine Prognose für meinen Verdienst abgeben. Spätestens im 2. Monat sollte aber schon was bei rumgekommen sein. Und dann habe ich halt für den zweiten Monat 50€ angegeben, für den dritten 100€, dann 150€ und so weiter. Das wurde ziemlich kritisch gesehen. Aber letztendlich gnädig abgenickt.

Viel später rief ich noch mal an und fragte nach, welche Regeln es da gibt, weil ich freiberufliche „Musiker“ kennengelernt habe, die auch nicht wirklich was verdienen, oder freiberufliche „Blogger“ oder Redakteure.

Die Auskunft die ich bekam war ernüchternd. Das liegt im Ermessen des Sachbearbeiters welchen Spielraum er lässt. Also wäre ich zu einem netten, fairen und fähigen Mitarbeiter des Jobcenters gekommen, hätte er mir gesagt, dass es durchaus üblich ist im ersten halben Jahr nichts zu verdienen und hätte mir geholfen, das Formular so aus zu füllen, dass ich zumindest die Grundsicherung bekomme.

Nein, ich kam zu Herrn X. Der guckte zwar die ganze Zeit so, als wenn ihm das leid tun würde, aber er könne da nicht wirklich was machen.

Bekomme ich einen Zuschuss für z.B. Möbel – „Nein, das tut mir leid.“

Ich habe Hunde, einen seit 14 Jahren, ich muss ja Hundesteuer zahlen „Dann müssten sie die Hunde ins Heim geben, das ist ja ihr Privatvergnügen.“

Und noch ein bißchen mehr der Hiobsbotschaften und Beleidigungen.

Nun – ich bekomme die Hälfte der Grundsicherung. Weil ich so viel verdienen könnte. Hab ich ja wohl selber angegeben. Das mir ein Verdienst, den ich voraussichtlich im Dezember haben könnte im Juni schon angerechnet wird ist wohl gängige Praxis.

Nun gut, ich komme mit erstaunlich wenig über die Runden. Das habe ich schon immer gut gekonnt. Und ich bin mir sicher, dass meine Yogastunden recht bald genug abwerfen. Und vielleicht verkaufe ich ja noch das ein oder andere Buch. Ich seh das ziemlich gelassen.

Ich halte an meinen Preisen fest, auch wenn ich damit niemals reich werde.

Erst mal ist es wichtig, das elitäre vom Yoga weg zu bekommen, jeder sollte sich das hin und wieder leisten können. Das ist meine Mission, das ist mir wichtig.

Einen gesunden, selbstbewussten und beweglichen „Lifestyle“ für alle zu ermöglichen, ohne den hirnlosen Konsum zu unterstützen.

Kochstunden, Yogastunden, Ernährungsberatung, Fastenkurse zu Preisen die sich normale Menschen leisten können.

Gut vielleicht kann ich dann nicht so viele Steuern zahlen, aber damit fällt dann auch die Gage für solche Hampelmänner vielleicht mal geringer aus. In das Bildungssystem wird ja eh nicht investiert.

3 Gedanken zu “Jobcenter Grrrrrrrrauen

  1. Ja das liebe Jobcenter, da hab ich auch so meine Erfahrungen gesammelt. Aber mal ganz ehrlich, wenn so bei manch einem Mitarbeiter, ein Kunde rein kommt mit einer recht kurzen Zündschnur

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    • Seit dem Blogeintrag sind sie recht freundlich und zügig. Kann mich nicht mehr beschweren. Vielleicht gucken sie selbst zu oft Harz4 TV und werden deswegen so.

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