Kritik aussitzen entwickelt nur den Arschmagneten

Bekommt man für irgendwas die Schuld, rechtfertigt man sich meistens. Entweder weil man sich nicht schuldig fühlt oder weil man seine gefühlte Schuld etwas relativieren möchte. Im Laufe der Jahre habe ich gelernt, dass so was ziemlich schwach ist. Gibt mir jemand die Schuld, z.B. weil irgend welche Kennzahlen nicht geschafft wurden, dann kann muss ich mich nicht rechtfertigen, wenn es nicht meine Schuld ist und wenn doch, dann hab ich keine Zeit mit Rechtfertigungen zu verschwenden, sondern zu zusehen wie ich es wieder gerade biege. Natürlich klappt das nicht immer und es kommt auch immer darauf an in welchem Bezug diese Personen stehen, ob Chef, Freunde, Kollegen, Familie. In meinem Berufsleben habe ich viele Menschen kennen gelernt, die mehr Zeit darauf verschwendet haben, die Schuld um zu verteilen und sich raus zu reden, als es gebraucht hätte den Fehler zu bereinigen. Das passiert oft dort wo Fehler eingestehen, als Schwäche ausgelegt wird. Natürlich diskutiere ich gerne und habe auch ein gewisses Maß an Streitkultur, aber nicht wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Da muss ich nicht mehr keifen und toben. Leider habe ich nicht gemerkt, wie sich das „Ruhe bewahren – nicht aufregen“ zu einem einfachen „aussitzen“ ausgewachsen hat. Ich denk dann nur „Ach lass mir meine Ruhe und fick dich.“ und verzieh mich. Manchmal denke ich auch nur, es muss nicht zu allem was gesagt werden und meine Meinung kann anderen ja egal sein, wenn es um Belangloses geht. Also wenn z.B. zwei am Tisch sitzen und sagen ohne Majo ist es kein richtiger Nudelsalat, dann muss ich nicht erzählen, dass ich nie Majo nehme und ich meinen Nudelsalat trotzdem lecker finde. Das würden sie spätestens dann merken wenn ich sie zum Nudelsalatessen einladen würde. Und ich behalte mir das Recht nicht zu allem was sagen zu müssen oder meine Meinung zu vertreten. (jetzt werden alle stutzen, denen ich im Laufe der Jahre die Ohren rund gelutscht habe – he, ich meine damit nicht, dass ich die große, coole Schweigerin bin – obwohl das manches mal besser gewesen wäre) Aber je mehr ich das aussitzen und nichts sagen perfektioniert habe, um so mehr hat sich mein Arschmagnet entwickelt.

Man zieht die Menschen an, die einem eine Lektion erteilen. Manchmal merkt man das ein bißchen spät, aber besser spät als nie. z.B. auf der Hundewiese. Im Stadtpark war immer mal eine junge Frau mit einem Rottweiler. Schon wo sie ihn als Welpe mit geschliffen hat, hatte ich geahnt, dass geht in die Hose. Vom hoch nehmen, wenn andere Hunde gekommen sind, bis hin zum weg zerren wenn andere Hunde schnüffeln gekommen sind. Aber ich dachte immer es ist ihr Hund und mich geht das nichts an. Ich mache ja auch nicht alles richtig. Ihr Unvermögen hat sie aber nicht nur davon abgehalten ständig Geschichten zu erzählen, die von ihrer maximalen Kompetenz gezeugt haben, sondern sie lag mir ständig in den Ohren mit Tipps wie mit dem lieben Hund umzugehen ist. An verschiedensten Anzeichen konnte sie erkennen, dass er mich nicht respektiert, er mir auf der Nase tanzt und er das falsche Futter bekommt. Irgendwann war ihr Hund so gut erzogen, dass er nur noch mit Beißkorb und Würgekette aus der Wohnung durfte. Und selbst dann, stand sie auf der Hundewiese und gab Tipps und wusste auch woher das Verhalten ihres Hundes kam. Der Züchter hat Mist gebaut und es ist auch Scheiße wenn andere ungezogene Hunde auf der Wiese sind. Ein Teil von mir hat sie in Gedanken in Fetzen gerissen und an ihren Hund verfüttert, aber der andere Teil dachte „Denk an dein Karma, reg dich nicht auf, distanziere dich einfach.“ Und ich komme immer wieder an solche Menschen und zwar so lange bis ich wieder lerne damit um zu gehen. Mal sind es andere Hundebesitzer, die meine ungezogenen Hunde kritisieren und dabei ihre eigenen den ganzen Tag in einem Miniauslauf , zwischen ihren Haufen vor sich hin vegetieren lassen, weil sie in der Freiheit alles an Lebensmittel klauen würden was sie finden oder Menschen anspringen. Mal sind es andere Frauen sie sich als „starke Frau“ profilieren müssen, indem sie in aller Öffentlichkeit ihre Männer zu Lappen erklären und mir erklären wie ich auch zu so einem rückgradlosen Prachtexemplar kommen könnte, oder es sind andere Veganer, die es nicht verstehen können, warum ich mit Menschen die Fleisch essen an einem Tisch sitze. In einer Welt voller Menschen kann man sich leider nicht das Recht raus nehmen nicht zu agieren. Wer sich ewig und drei Tage zulabern lässt, der brauch sich dann auch nicht wundern, wenn er sich dann mal wehrt, dass er auf Unverständnis stößt. Und wer schulterzuckend die Schuld auf sich nimmt und zulässt, dass aus jeder Mücke ein Elefant gemacht wird, der braucht sich auch nicht wundern, wenn er hinterher der Arsch für alles sein soll. Man trifft sie an jeder Straßenecke. Menschen die so von sich überzeugt sind, dass sie über alles und jeden mitreden können, die als Schwäche „Schokolade“ und „Dr.Dairy“ angeben und denken damit wäre es getan. Sie können jetzt Fehler und Schwächen eingestehen. Und erst mal wirken die auch recht Mächtig und dann guckt man hinter die Fassade und sieh an, kein Klecks besser als man selber. Nur einfach anders mit einer krass überschätzten Selbstwahrnehmung. Die merken gar nicht mehr, dass sie keiner um Ratschläge gebeten hat, die faseln einfach drauf los und klopfen sich danach auf die Schulter und denken sie hätten irgend jemandem weiter geholfen. Die wirken nur etwas größer und besser, weil sie andere um sich rum schön klein halten.

Und ich darf eigentlich noch nicht mal darüber meckern. Weil ich es immer wieder so weit kommen lasse. Weil ich zu oft denke „Ach fick dich doch.“ und somit diesen Menschen die Chance nehme auf Widerstand zu stoßen um ihr Weltbild mal gerade zu rücken.

Weil ich keine Lust habe über Kleinigkeiten zu diskutieren? Weil ich schiß habe verbal unterlegen zu sein? Weil ich nicht möchte, dass jemand sagt, „Aber du bist doch genau so“? Ja vermutlich eine Mischung. Aber so weit lass ich es nicht noch mal kommen. Also muss ich darauf reagieren oder als Einsiedler in die Wüste ziehen, obwohl wahrscheinlich selbst da Typen auf einem Kamel vorbei reiten, die einem erzählen, dass sie an meiner Stelle besser ein Zelt von North Face genommen hätten und man mit Holz und roten Sand besser kochen kann als mit meinem Primus Gas Kocher.

Egal. Ich kenne mich besser als jeder andere. Maximal das liebe Fräulein kennt mich ein bißchen besser als ich mich. Und so sollte jeder denken. Jeder weiß was er kann und was er hat, was er braucht und was er möchte. Und wenn wir irgendwas bekommen, was uns Bauchweh bereitet, haben wir uns das vielleicht von jemandem aufschwatzen lassen, der seine eigene Unzulänglichkeit gerne verteilt, damit er sich ein bißchen besser fühlen darf.

Und deswegen nicht mehr Schulter zucken und weg gehen, laut aussprechen. „Am Arsch! Nerv mich nicht.“ oder, wie es meine liebste Katja sagen würde „Ich nehme wahr, dass du mich kritisierst. Das macht mich wütend, denn ich empfinde diese Kritik nicht gerechtfertigt. Ich möchte, dass im Zukunft genauer recherchiert wird, bevor die Schuld zugewiesen wird. Ist das ok für dich?“

Ja, so was muss wohl gelernt werden.

3 Gedanken zu “Kritik aussitzen entwickelt nur den Arschmagneten

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