Ich bin eben kein Veganazi

Dazu bin ich doch viel zu müde.

Vor, mittlerweile über 10 Jahren, bin ich nach einem Trailer, den ich ohne Ton, heimlich auf Arbeit geguckt habe, von einer Stunde zur anderen Vegetarier geworden. Ich habe den Film nie ganz gesehen, auch jetzt nicht wo er in komplett auf youtube zu sehen ist – sogar auf deutsch. Aber ich war so fix und fertig und erschrocken, ich musste mich für eine Seite entscheiden und wählte die Seite der Vegetarier. Da stand ich dann erst mal. Ziemlich alleine, denn es hat noch ca. ein halbes Jahr gedauert, bis das liebe Fräulein mit gemacht hat. Ich habe ihr das nie aufgezwungen oder ihr ständig Gespräche und Diskussionen ins Ohr geschraubt. Also bei ihren Großeltern oder bei Freunden hat sie natürlich Fleisch und Wurst essen können. Nur halt in unserer Wohnung gab es davon nichts mehr.

Ein paar Kollegen wussten, dass diese Phase bestimmt bald vorbei ist. Aber wenn man sich erst mal mit der Thematik beschäftigt, gibt es kaum ein Zurück mehr, ehe das Gegenteil, man wird immer ein bißchen veganer.

Ja ich weiß, Ausnahmen bestätigen die Regel und die schreiben dann in irgendwelchen Zeitschriften gleich eine Kolumne, aber es sind ganz bestimmt nur Ausnahmen.

Der große Teil meines Freundeskreises ist aber nicht Rückfällig geworden, sondern sie waren nie Vegetarier, geschweige den Veganer. Veganer kannte ich so gut wie keine und die einige die ich kannte, sind mir oft übelst auf den Schweller gegangen.

Ich komme vom Dorf. Ich war früher beim Schlachten dabei. Ich habe nicht ernsthaft geglaubt, dass es den Schweinen Spaß macht von einem Bolzenschußgerät ein Ende gemacht zu bekommen. Ich fande es cool gruselig, vor den zwei hängenden Schweinehälften zu stehen und zu gucken was noch zuckt. In den Augen zu stochern fand ich cool ekelig und meine Oma hat mir einmal die Nasenscheibe gebraten, das war auch cool, weil man die Finger durch die Nasenlöcher stecken konnte und dann das Fleisch so aus der Hand essen konnte. Und ich glaube ich fand es lecker und ich habe leider auch geglaubt, dass ein Naturdarm 100% sauber ist, wenn man ihn an den Wasserhahn stülpt und ein paar Liter Wasser durch rauschen lässt. (örgs – aber gutes B12 wahrscheinlich).

Also ich wusste Bescheid, es hat mich nur nicht gejuckt. Und natürlich habe ich mich für einen Tierfreund gehalten. Und ich wusste schon lange vorher über Massentierhaltung Bescheid. Trotzdem habe ich Alsi Kochschinken gekauft. Bei mir war es halt der Trailer von „Earthlings“ der mich an diesen Punkt gebracht hat. Deswegen stelle ich mich jetzt auch nicht da hin nenne Fleischesser Kadaverfresser oder gar Mörder. Weil ich nicht glaube, dass damit auch nur einer zum umdenken gebracht wird. Jeder braucht seinen eigenen Tricker und wenn er ihn nicht in diesem Leben erfährt, dann vielleicht im Nächsten.

Und, was bei aller Missioniererei ganz oft vergessen wird ist die natürliche Trotzhaltung. Keiner hat Lust sich von irgend einem Unsympathen maßregeln zu lassen. Wobei die Sympathie natürlich im Auge des Betrachters liegt. Aber als großfressiger, biersaufender, ketterauchender Punk, werde ich der veganen Bewegung keinen Gefallen tue, wenn ich den „normalen“ , „0815“ Bürger einen Vortag über vegane Ernährung halte. Genauso wenig würde ich mir von jemandem im Pelzmantel eine Versicherung aufschwatzen lassen.

Na egal, ich bin also zu Hause Veganer und unterwegs manchmal nur Vegetarier. Ich glaube es ist auch nicht so oft passiert, dass ich von mir aus, ungefragt Vorträge gehalten habe.

Meine Freunde und Familie nehmen Rücksicht und es gibt immer was leckeres zu Essen wenn ich komme, außer bei meinem Schwager am 50. Da gab es tatsächlich nur trockene Brötchen für mich. (Und ich hatte ganz, ganz schlimm hunger, nur deswegen habe ich so viel Bier getrunken.)

Aber scheinbar animiert mein Essverhalten andere dazu eine Diskussion zu starten. Am schlimmsten finde ich das „Ich esse nur ab und an ganz wenig Fleisch, vom Metzger meines Vertrauens.“ Erstmal interessiert es mich nicht, weil kein Tier sterben will, auch nicht durch die Hand eines freundlichen Metzgers und ich weiß, dass weniger als 5% Fleisch von den berühmten Vertrauensmetzgern kommt, weil die meisten das abgepackte Zeug essen. Aber auch das ist mir egal. Iss es wenn du meinst. Natürlich finde ich es total daneben und im Grunde genommen widerwärtig. Aber ändert meine Meinung dein Verhalten? Bestimmt nicht. Aber ich habe auch keine bessere Meinung, nur weil das Märchenbuch vom kleinen Metzgersladen aufgeklappt wird.

Nein, wir haben keine Reißzähne. Wenn ich meinen Hunden in den Mund gucke, erkenne ich da Unterschiede. Ganz große. Ich bin sehr froh kein Raubtiergebiss zu haben, weil ich mir damit ständig in die Lippe beißen würde.

Nahrungsergänzungsmittel gab es schon vor dem Vegantrend und da unsere Böden so ausgelaugt sind, dass unser Obst und Gemüse immer weniger wichtige Inhaltsstoffe enthalten, werden diese Mittelchen auch nicht aus den Regalen verschwinden.

Das Argument, dass jeder so leben können soll wie er mag finde ich genau so daneben. Wenn man bedenkt, was Massentierhaltung und Fleischkonsum für Umweltschäden anrichtet, dann wäre es ungefähr so, als würden wir alle auf einem Schlauchboot im stürmischen Meer sitzen. Und ein paar Typen wollen einen Dartclub gründen. Nein es kann eben nicht jeder machen was er will, weil dann nämlich irgendwann alle am Arsch sind.

Wer sich dafür interessiert, der sollte sich die Videos vom Artgenossen anschauen. Der erklärt alles wunderbar auf youtube. Informativ und schlüssig.

Aber trotzdem – unter meinen Freunden sind Omnivoren. Und das ist auch keine Diskussionsgrundlage, das ist ein Fakt, damit habe ich mich abgefunden.

Natürlich wäre es wünschenswert, wenn alle Menschen Vegan leben würden, aber ich habe mich schon lange damit abgefunden, dass das nie passieren wird.

Warum? Weil wir ja sogar auf das Wohlergehen unserer eigenen Spezies kacken.

Jeder, aber auch jeder weiß inzwischen, was z.B. Nestle für ein Unternehmen ist. Das Kindersklaven auf Kakaoplantagen arbeiten, die Ärmsten der Armen ihr Trinkwasser abgepumpt bekommen, deswegen die Ernten verdorren und die Brunnen versiegen. Diese Informationen bekommt man ja inzwischen schon auf Pro 7 serviert. Das gute ist, Nestle produziert Nichts, was man wirklich braucht, nichts lebensnotwendiges. Man könnte also wirklich drauf verzichten. Aber tut das einer?

Jeder weiß doch inzwischen, wie die Arbeitsbedingungen aussehen, für die Menschen die Ü-Ei Figuren, Fusselrollen, Einweggeschirr oder andere Überlebenswichtige Dinge „Made in China“. Verzichtet jemand drauf?

Jeder weiß, dass mit jedem getankten Liter und mit jedem Plastik Produkt saudische Scheichs noch mehr Geld in in den Rachen gesteckt bekommen. Und was passiert?

Weils schmeckt, weils bequem ist und weil es auf das bißchen doch eh nicht ankommt.

Nun ja, das ist wohl so. Daran werde ich wohl nichts ändern. Aber ich lass mich auch nicht zuquatschen. Ich diskutiere nicht über das Recht der stärkeren und über Verhältnismäßigkeiten. Ich bewundere keine Elfenohrenstöpsel oder ein Auto was gut aussieht und 10 Liter braucht. Ich habe nicht so viel Mitleid mit adipösen Menschen die Sahneschnitzel essen, Herz und Gefässkrankheiten oder Gelenkbeschwerden haben und trotzdem Salamie naschen. Und ich werde mir (vermutlich) nicht die Zunge von jemandem in den Hals stecken lassen, der sich vorher noch ne Bowu reingepfiffen hat.

Trotzdem hab ich euch lieb.

2 Gedanken zu “Ich bin eben kein Veganazi

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