Die Verlodderungsgefahr

Ich war nie der superordentliche Typ. Keine Haushaltsperle und fern jeder Art von Putzfimmel. Ich will gar nicht wissen wie viele Jahre meines Lebens bisher drauf gegangen sind um nach Sachen zu suchen. Ordnung zu routinieren wird hier auf meinen fast 20m² aber zum absoluten muss.

Hat es in jeder meiner Wohnungen noch genügend Platz gegeben für Dinge die eigentlich keinen Platz hatten und deswegen immer irgendwo rum standen oder lagen, ist das hier nicht mehr möglich. Deswegen ist ein Platz zu finden oder der Gegenstand zu entsorgen. So was wie „die Zange auf dem Flurschrank legen bis man irgend wann mal die Muse hat die Werkzeugkiste raus zu kramen“ ist nicht mehr drin, ohne das man ganz schnell im Chaos versinkt. Man darf es also gar nicht erst so weit kommen lassen.

Deswegen ist meine erste Amtshandlung, gleich nach dem ersten Kaffee, das Bett zu machen. Mit Tagesdecke drüber. In meiner Wohnung wäre ich nie auf die Idee gekommen mein Bett noch mal ab zu decken. Wozu? Ich habe so gut wie nie Führungen durch meine Behausung gemacht und wenn, war meine Bettwäsche immer schön genug um sie her zu zeigen. Jetzt beruhigt die braune Wolldecke das Auge und es ist nicht so schlimm wenn die Hunde tagsüber auf dem Bett rum liegen. Auch das birgt nun Schwierigkeiten. Kein Flur zum Pfoten abtrocknen. Jetzt geht’s gleich vom Garten ins Bett. Wenn es regnet schafft es Fibie von der Türe aus ins Bett zu fliegen ohne den Boden zu berühren. Das Kompostklo ist täglich zu leeren, auch wenn noch ein paar Liter rein passen würden und es noch lange nicht riecht. Genau wie die Gießkanne für das Küchenabwasser. Nicht erst warten bis es beim tragen überschwabbt. In einer winzigen Küche kümmert man sich besser täglich um sein schmutziges Geschirr, genauso wie um den Bioabfall. Restmüll steht auch draußen und wird gar nicht erst lange im Wagen gebunkert. Gelbe Sack ist eine 5 Liter Tonne die nicht erst leer gemacht wird wenn der Deckel nicht mehr zu geht.

Die Kleidung ist auch ein Thema für sich. Wenn man eine Waschmaschine hat und ein extra Zimmer um seine Klamotten in Schränken zu bunkern ist das alles recht einfach. Wenn man aber max. ein mal in der Woche mit dem Rad in den Waschsalon fährt überlegt man es sich zwei mal, ob man mit seiner „guten Hose“ (die, die gerade noch am saubersten ist) mit den Hunden übers Feld spaziert oder mit dem sauberen Pulli schnell mal Holz rein holt.

Jetzt ist es also wie früher, wenn man von der Schule kommt, muss man erst mal seine Spielhose anziehen. Hausschuhe trage ich jetzt auch. Erstmal wegen der Wärme und dann muss man auch aufpassen, dass Schlamm oder sogar Steinchen an den Sohlen nicht alles versauen. Die gute Auslegeware in Holzoptik. Ach ja, apropos Holz, ist bisher nur ein mal passiert, dass ich im Schlafanzug und Gummistiefel um 7 Uhr morgens im Regen mit meinem Holzkörbchen in der einen und meinem Beil in der einen Hand Kleinholz gemacht habe um den Ofen an zu kriegen. Die Unlust noch mal vor die Türe zu gehen, die einen Abends, nach einem Glas Wein schnell mal überkommt wird am nächsten morgen bestraft. Aber noch ist alles im grünen Bereich und gut aus zu halten. Bis das Wetter richtig schlecht wird ist mir das bestimmt alles in Fleisch und Blut übergegangen. Der Wetterbericht wird plötzlich viel interessanter als man es je für möglich gehalten hat. Wenn der Regenradar Dauerregen für die nächsten Tage an zeigt, stapelt man nicht nur sein Holz höher, sondern achtet auch genau drauf wie viele Anzünder und Streichhölzer noch im Wagen liegen.

Das für mich problematischste Thema war und ist die Hygiene an sich. Das ich einen Hund habe, hat man schon immer gerochen. In meiner Wohnung und bestimmt auch an mir. Jetzt wohne ich mit zwei Hunden auf engstem Raum in dem sich alles abspielt. Aber, ich habe ein paar gute Freunde die mir sofort Bescheid sagen würden. Ohne Rücksicht. Das liebe Fräulein hatte auch nie Bedenken mir die Meinung zu geigen und hat obendrein eine sehr empfindliche olfaktorische Wahrnehmung. Wenn sie vorbei kommt und meine Bude und ich würden nach Kompostklo, Schmutz oder Schweiß riechen würde sie vermutlich einfach ein Streichholz rein werfen. Nun, es wurde mir mehrfach bestätigt, dass man neben mir sitzend nicht auf die Idee kommt, dass ich kein Badezimmer habe. Aber das klappt tatsächlich auch nur so gut, weil ich täglich an meiner Waschschüssel stehe um meine Katzenwäsche zu machen UND mich danach, auch wenn es kalt ist, schön eincreme. Ich benutze mehr Handcreme, weil ich mir viel öfter die Hände wasche und lackiere mir sogar die Nägel. Ich gucke jetzt öfter in den Spiegel als ich es in meiner Wohnung getan habe. Wenn man mal verknautscht aussieht ist das früh am morgen ok. Aber quasi wohnungslos zu sein und dann noch Spinat zwischen den Zähnen und dreckige Schuhe, das geht nicht. Man muss auf sich aufpassen. In einer normalen Wohnung ist das erheblich einfacher als in einem Bauwagen. Also ich hab auch als ich in einer Wohnung gewohnt habe aufgepasst, dass ich nichts zwischen den Zähnen hängen habe. Aber hier bekommt ein „ordentliches Aussehen noch mal eine ganz andere Bedeutung.

Ja es ist mir ganz oft egal was Leute über mich sagen. Es ist mir egal ob es jemand gut findet, dass ich in meinem Bauwagen lebe oder versuche Konsum zu vermeiden. Wenn jemand sagt „Die Tanja ist ein alter Ökospinner“ dann hebt mich das nicht aus den Schuhen. Wenn jemand sagen würde „Tanja stinkt wie Huf und ist echt voll verloddert.“ würde ich vermutlich in Tränen ausbrechen.

Und das alles, ist harte Arbeit. Fast eine Stunde am Tag. Aber was tut man nicht alles für seine Freiheit. ;o)

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