Erleuchtung – immer mal wieder

und auch nur ein ganz kleiner Strahl

Kleine Erleuchtung im Regen

Ich glaube nirgendwo trifft man so viele, von der Weisheit erleuchtete, als in der Alternativen Szene. Kein Thema wo du nicht einen triffst, der besser darüber Bescheid weiß, weil er das einzig wahre Buch oder die einzig wahre Erfahrung gemacht hat. Und manche dieser Menschen zecken sich ungemein gerne an bestehende Projekte an um andere mit ihren Weisheiten zu beglücken.

Nun, das kenne ich schon von meiner langjährigen Arbeitserfahrung. Man denkt sich was tolles aus, schreibt es sich auf und am Ende kommt jemand verändert die Schriftart, lässt es auf rosa Papier drucken und man kann froh sein wenn dann gesagt wird, man hätte es zusammen gemacht. Oder jemand übernimmt plötzlich die Leitung und das Ergebnis ist kein bißchen das was man ursprünglich wollte.

Gebranntes Kind also und ich habe so superfeine Antennen wenn ich was plane und jemand kommt aus dem Gulli gesprungen um mir Tipps zu geben, ohne das man erkennen kann, dass er auch nur einen Hauch von Ahnung hat. Solche ungewollten Kooperationen werden oft mit den Worten ein geleutet „ Prima, dann kann ich ja …“ oder „Da musst du aber dran denken…“ und ich reagiere dann meist ablehnend und bin dann so angepiept, dass ich mit meinen Hunden in doppelter Geschwindigkeit um den Hufeisensee rase und entgegenkommenden Spaziergängern falle ich durch extrem geblähte Nasenlöcher auf. In diesem Zustand kann ich nicht in die Stadt gehen, denn je nach Wutgrad halte ich auch mal eine Ansprache (Meist sind es Ansprachen die ein paar Stunden früher vor dem richtigen Publikum richtig gut gekommen wären, mir dann aber leider nicht eingefallen sind) mit passender Mimik und Gestik und leider, leider auch mal in passender Lautstärke, bzw, unpassender Lautstärke, weil ich durch die Stadt laufe und die Empfänger weit, weit weg sind.

Da erntet man schon mal den ein oder anderen erschrockenen, ängstlichen oder belustigten Blick.

Aber das ist ja jetzt vollkommen egal, darum geht es ja jetzt nicht. Meine Güte.

Es sollte darum gehen, wie ich mal wieder mit den Hunden unterwegs war, es hat geregnet, aber die Tropfen sind 10cm über meinem Körper verdampft. Ich war wütend weil ich mir einen eingesponnen habe und ein Projekt – so wie ich es umsetzen wollte – „bedroht“ wurde. Und dann musste ich mich fragen warum mich das ganze so wütend macht. Was ist das Ziel des Projektes? Das Ziel des Projektes ist (jetzt mal als Beispiel) einen Kurs zu geben, der alle Teilnehmer am Ende dazu befähigt sich ihr eigenes Müsli zu kreieren. Das Ziel ist, dass jeder viel günstiger und gesünder ein leckeres Müsli zusammen stellt und nie wieder zuckeriges Zeug von Nestle kauft. Und das Ziel ist ja nicht, dass die Teilnehmer nach Hause gehen und ein Foto von mir im Küchenschrank als Müsli Guru hängen haben. Also wenn jemand mein Projekt an sich reißt, weil er meint er bekommt die Leute besser an dieses Ziel, sollte es mir egal sein. Alles was mich daran stört ist mein dickes Ego. Und da man dieses eh zähmen sollte ist es eine gute Übung Projekte auch mal ab zu geben. Das war dann so die erste Überlegung, die dann aber gleich wieder in ein „Ach Meno! Aber ich will!“ umgewandelt wurde. Man kann sich doch nicht alles aus der Hand nehmen lassen. Was sind das für Menschen die überall ihre Augen und Ohren haben und sich von halbfertigen Projekten so angezogen fühlen. Fehlt denen der Mut eigene Projekte voran zu treiben? Sind die einfach nur geil auf Lorbeeren? Und dann dachte ich, interessiert mich nicht und hat mich auch gar nicht zu interessieren.

Und dann stapf ich durch den Regen, lache über meine schlammigen Hunde und dann fällt mir ein, ich hab ja ein Riesenprojekt. Wenn ich mich um das richtig kümmern möchte, kann ich mir eh nicht so viele Nebenprojekte leisten. Das wichtigste Projekt das es gibt. Extra nur für mich entwickelt. Das kann mir niemand aus der Hand nehmen. Aber ich habe es ganz oft selbst aus der Hand gegeben. Ich selber habe zugelassen, dass andere in meinem Projekt rum pfuschen. Ganz oft aus Bequemlichkeit und Faulheit. Ich rede hier vom Superprojekt mit Prio 1 und das ist mein Leben. Tusch…tatata…sie hats geschnallt.

Und dann ist mir aufgefallen, Menschen die sich um ihr Projekt kümmern, haben gar nicht so den Drang sich ein zu mischen wenn da halbfertige Projekte sind, die sie selbst anders zum Ende bringen würden. Menschen die sich um ihr Superprojekt mit aller Liebe und Kreativität, aller Achtsamkeit und Aufmerksamkeit kümmern, können ganz entspannt auf andere liebevoll betreute Superprojekte schauen ohne Neid oder Missgunst. Und solche Menschen kostet es nicht mal ein Arschrunzeln, wenn sich andere vergeblich versuchen sich in fremden Projekten zu profilieren. Und ich dachte, ich will auch so sein. Meine erste Aufgabe ist mein Leben so reichhaltig wie Möglich zu gestalten. Wobei ich selber entscheide was reichhaltig ist und nicht AMAZON oder facebook. Gesund sein und bleiben und ich entscheide selbst wie ich das hin bekomme und nicht die Pharmaindustrie.

Also, wenn es um DAS wichtige Projekt geht, nicht mehr so oft „Na meinetwegen.“ oder „Na gut, ist mir eigentlich egal.“ sagen und damit „Mutter Theresa Typen“ Tür und Tor offen halten und bei den popeligen Sachen etwas großmütiger sein, wenn ein kleiner Kläffer am Stuhlbein nagt. Es sei denn das Herz wird schwer, was tatsächlich auch mal passieren kann. Aber dann sollte man rechtzeitig ein Machtwort sprechen.

Mein Projekt ist mein Lieblingsprojekt. Find ich gut.

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