Erfahrungsbericht …

… „Fasten Januar 2018“

also erst neulich

Ich faste seit ca.2001, ca. 2 mal im Jahr. Am Anfang waren es 3 Tage Energiefasten. Obwohl ich beim ersten mal ziemlich viel falsch gemacht habe, hatten sich die positiven Auswirkungen derart bemerkbar gemacht, dass es nicht bei einem mal bleiben sollte.

Ich steigerte das ganze dann irgendwann auf 5 Tage bis irgendwann 7 Tage. Immer kurz vor Ostern, so, dass ich zum Osterfrühstück wieder richtig essen konnte und im Herbst.

Weil mich das ganze Fastenthema ziemlich überzeugt und beeindruckt hat, habe ich 2014 ja dann auch die Weiterbildung zur Fastenkursleiterin gemacht.

Aber ich muss gestehen, dass ich es, seit 2015, gar nicht mehr richtig versucht habe. Es hat nicht gepasst. Mein Hirn hat sich verkrampft, alleine bei dem Gedanke eine Woche auf Wein und Kartoffelchips zu verzichten. Dazu war einfach zu viel los.

Aber jetzt ist ja wieder alles schick und ich wollte schon mal vor fasten, bevor die Fastengruppe los geht. Weil da kann man ja schlecht mit machen, wenn man die ganze Zeit sozusagen Bereitschaft hat.

Also habe ich an einem Dienstag angefagen. Komischer Tag, aber ich musste Montag in die Apotheke. Wegen Glaubersalz und der Klysopumpe. Und die braucht man nun mal um das ganze vernünftig starten zu können. Das Glaubersalz ist zum abführen und mit der Klysopumpe kann man sich selbst einen Einlauf verabreichen, ohne auf allen Vieren im Zimmer hocken zu müssen.

Ok.

Der Ausgleichstag: Nur eine Tasse Kaffee. Ich höre nämlich nicht eine Woche vorher damit auf. Ich reduziere. Dafür habe ich zwar am ersten Tag Kopfweh, wege Koffeinentzug, aber ich habe mich entschieden das in Kauf zu nehmen. Dann habe ich einen Topf Reis gekocht.

Zum Frühstück gabs eine Schüssel Reis mit einem kleingeschnittenen Apfel und einem Schuß Agavendicksaft. Zum Mittag und Abendessen habe ich den Reis in einer beschichteten Pfanne angebraten mit dem Gemüse was weg musste. Gegen 16:30 hatte ich also das letzte gegessen.

Irgendwann nach 18 Uhr habe ich dann 40g Glaubersalz mit Orangen und Zitronensaft angerührt und runtergewürgt. Damit ist das schlimmste schon vorbei – finde ich. Den restlichen Abend verbringt man dann auf dem Klo, aber da man ja vorher schon weniger gegessen hat, ist das nicht so dramatisch.

Tag 1: Aufstehen, Feuer an machen, Kessel auf setzen, 30 Minuten Öl ziehen, Tee trinken, aus dem Fenster gucken, Einlauf machen, auf dem Klo sitzen, Tee trinken, mit den Hunden raus gehen, Atemübungen, meditieren, Yoga – ich warte auf die Kaffeekopfschmerzen, die kommen gegen 11 Uhr. Beim Stricken höre ich ein Hörspiel, wo in einer winzigen Nebenhandlung ein indisches Restaurant eröffnet wird. Die Hauptpersonen gehen zur Eröffnungsfeier und essen Samosas. Ich kann nicht mehr weiter hören, gucke erst mal ein paar Youtube Videos wo indisch gekocht wird. Und wie eigentlich jeder erste Tag von meinen Fastenkuren, endet auch dieser mit einem vollgeschriebenen Block, voller Rezepte die ich ausprobieren werde wenn ich wieder esse. Ich geh früh schlafen.

Tag 2: Gleiche Morgenroutine, die wohlbekannten Stimmen in meinem Kopf melden sich auch. Die Stimmen die sich immer am 2. Tag melden. Guck dich doch nur mal im Spiegel an, du siehst doch halb verhungert aus! Brech ab und mach im Mai weiter, da ist es wärmer. Jetzt ein schönes Käsefondue! Jetzt schön Bratkartoffeln! Ach komm, was solls! Heute Abend eiskaltes Jever und dazu eine Tüte Chips und Oliven und Gummitierchen und Schokolade und wann hast du dir das letzte mal eine Pizza bestellt.

Sehr anstrengend. Aber Abends habe ich eine Yogastunde. Ich prahle erst mal haltlos rum, weil ich ja faste. Zu Hause trinke ich dann einen Guten Abend Tee und leg mich schlafen.

Tag 3: Gleiche Morgenroutine. Ich fahre in die Stadt um mich mit dem lieben Fräulein zu treffen. Ich will in die Buchhandlung. Gucken ob ich ein indisches Kochbuch finde. Ich hätte so gerne ein indisches Kochbuch und ich habe auch eins gefunden. Ein ganz dickes mitt vegetarischen Rezepten. Wenn ich mal Geld übrig habe werde ich es kaufen. Heute sitze ich nur da und sabbere die Seiten voll. Dann gehen wir noch Kokoswasser und Traubensaft kaufen und anschließend zum lieben Fräulein nach Hause. Dort sitzt ihr freundlicher Freund des Fräuleins am Schreibtisch. Neben ihm ein Teller. Frisches Graubrot mit Avocado. Ich rieche es von der Türe aus. Er guckt mich an, beißt ab und fragt mich kauend ob ich einen Kaffee möchte. Nein. Natürlich nicht. Ich möchte nur an seinem Avocadobrot riechen. Und es riecht so toll und ich versuche mir noch den Geruch von einer Scheibe Tomate dazu vor zu stellen um das Riechmenü perfekt zu machen. Wiedr zu Hause bin ich ganz hippelig. Ich räume um, verrücke mein Bett. Der liebe Hund guckt mich vorwurfsvoll an „Geht das hier auch schon wieder los?“ Fiebs ist schockiert, warum steht das Bett nicht mehr da wos war?

Dann gehe ich raus. Schuttplatz aufräumen. Die Autoreifen müssen dort weg. Die sehen so assi aus und motivieren irgendwelche Menschen ihre alten Autoreifen dazu zu legen. Ich bin mit der Schubkarre unterwegs, begleitet von zwei Hunden die die Welt nicht mehr verstehen.

Abends trinke ich einen halben Liter Kokoswasser in kleinen Schlucken, lerne Yogakram und stricke. Ich muss mich ja ablenken und ein Film würde hier nicht helfen. Weil Film gucken erst recht Appetith macht.

Tag 4: Morgenroutine, nur diesmal gehe ich mit den Hunden um den kompletten Hufeisensee. Ich kann nicht rum sitzen. Ich wechsle das Bettzeug und packe meine Schmutzwäsche und mein Strickzeug ein und fahre in den Waschsalon. Nach Hause, alles weg geräumt, noch mal mit den Hunden raus, dann ins La Familia um die Fastenwoche durch zu sprechen und dort bekomme ich einen Kaffee angeboten und sage automatisch ja. Weil ich es irgendwie vergessen habe das ich faste. Aber mir ist es rechtzeitig wieder eingefallen.

Zu Hause hacke ich ein bißchen Holz, renn ein bißchen durch den Garten und als es dunkel wird röddelt ich im Wagen rum. Klamotten die ich doch nicht brauche – weg, Hefte, Journale, Zeitungsartikel – meine Güte, ich bin ein Papiermessi – aussortieren. Ich habe jetzt einen großen Karton wo meine ganzen Papierschätze drinnen sind. Alles andere wird entsorgt und irgendwann ist es dann auch schon wieder nach 22 Uhr und ich geh ins Bett.

Tag 5: Morgenroutine. Danach gönne ich mir eine Tageskarte im Sportpark. Mit lauter Musik im Ohr trabe ich eine Stunde auf dem Laufband. Nicht zu gemütlich, weil auch immer die Gefahr besteht, wenn ich nicht außer Puste bin, dass ich laut mitsinge, ohne es zu merken. Ist früher oft passiert, dass ich, mit Ohrstöpsel bestückt, durch die Küche getänzelt bin um dann irgendwann über ein Fräulein zu stolpern, die sich vor Lachen auf dem Boden kringelt.

Dann ist ein langer Saunagang angesagt. In der 60Grad Sauna bin ich alleine. Alle drei Saunagänge. Juhu. Die quetschen sich alle in die 90 Grad Sauna.

Tag 6: Morgenroutine. Ursprünglich wollte ich morgen brechen. Aber ne, ich werde die 7 Tage durch ziehen. Dann gibt es halt keine Burger, sondern eine leckere Minestrone und er kriegt ein Brötchen dazu. Vormittags gebe ich eine Yogastunde in der VHS. Das Wetter ist nicht so toll, den Rest des Tages sitze ich drinnen am Fenster und male für den Frieda Flieder Blog, stricke, trinke Tee (eigentlich freue ich mich am meisten auf einen schönen Kaffee. Mittwoch!) und springe die ganze Zeit rum weil ich so aufgekratzt bin. Ich mache ein paar Yogaübungen, weil ja nicht wirklich viel zu tun ist. Ich schreibe einen Brief und chatte ein bißchen mit Leuten die in der Welt verstreut sind und gegen 23 Uhr sticht mich noch mal der Hafer. Ich stöpsel mich an meinen mp3 Player, schalt meine Metall Playlist an und springe noch eine halbe Stunde durch den Wagen. Erst als ich mir bei haedbangen den Kopf stoße habe ich genug und geh schlafen.

Tag 7: Kurz nach 5, putzmunter. Morgenroutine. Einkaufen. Das Wetter ist nicht so toll, man könnte glauben es wäre Januar. Deswegen radel ich erstmal in die Stadt. Im An und Verkauf hole ich mir für 3€ einen Gürtel. Auch wenn mein Körper vielleicht nicht so bleibt, jetzt gerade rutschen meine Hosen. Aber so richtig. Und da ich es, altersunabhängig, voll unschön finde, den Schritt Mitte Oberschenkel zu tragen um jeden mein Schlüpferbündchen zu zeigen, muss ein Gürtel her. Danach treibts mich noch mal in die Buchhandlung zu den Kochbüchern. Auf dem Heimweg gehts noch am Netto vorbei. Obst und Gemüse. Aus dem Käse- Kühlregal ströhmt ein Duft den wir früher „pitzig“ genannt haben. Wenn was pitzig riecht, kann man es noch essen, sollte sich damit aber beeilen. Ne – nicht so lecker. Aber die Äpfel riechen, sauer die Grünen und je röter desto süßer. Bei dem sauren Geruch der Zitronen läuft mir das Wasser im Mund zusammen und ich rieche Bananen und Tomaten und sogar einen Hauch Gurke. Und ich rieche, dass ich keine Ananas kaufen sollte, weil sie überreif riechen und bei den Kartoffeln sagt mir meine Nase auch auf Anhieb wenn sich faule im Netz befinden. Das Brot riecht trotz Backautomaten auch recht gut. Aber wer mit derart sensibilisierten Geruchsdrüsen schon mal bei einem richtigen guten Bäcker war weiß, es geht um einiges besser.

Zu meinem Bedauern rieche ich auch andere Menschen und bin deswegen froh wieder im Wagen zu sein. Ich schreibe, bastel, stricke, trinke Tee und fühle mich doch langsam etwas matt. Trotzdem kann ich kein Mittagsschläfchen machen und bin auch um 22 Uhr noch nicht müde. Trotzdem meditiere ich, dann gehe ich ins Bett.

Aufbautag: Morgenroutine. Dann rieche ich an einem Apfel vom süßen See. Warum gibts kein Parfum was so riecht? Ich schäle ihn ganz dünn und schneide ihn in kleine Stückchen. Die werden in einem Topf mit ganz wenig Wasser angedünstet. Warm weich und sehr lecker, aber wenn ich ehrlich bin, ich hätte es jetzt nicht gebraucht.

4 Stunden später esse ich einen rohen Apfel zum Mittag. Es fühlt sich komisch am Zahnfleisch und an den Zähnen an etwas zu kauen. Aber die leichte Mattheit war bereits nach dem Frühstück weg. Jetzt merke ich wie der Apfel, meine Speiseröhre runter in den Magen fällt. Gut kauen ist enorm wichtig. Die Schale mach ich deswegen erstmal ab und schabe so ganz kleine Stückchen mit den Zähnen runter die ich dann trotzdem noch kaue. Das dauert nicht lange und ich bin satt noch bevor der Apfel alle ist. Also ein richtiges Sättigungsgefühl. Und jetzt kommts. Irgendwas sagt mir „Na komm, die zwei Bissen.“ Und jetzt ist es, gerade am Anfang wichtig, auch wenn es nur noch zwei Bissen sind, auf zu hören. Damit ich nicht in Versuchung gerate, binde ich eine Schnur um den Apfel und hänge ihn in die Bäume. Für die Vögel.

Heute Abend wird es eine leichte Kartoffelsuppe geben und auch hier werde ich wieder aufpassen müssen, dass ich nicht „Ach die Kartoffeln sind so klein ich nehme mal 4 anstatt 2“ denke. Aber mein Bauch ist jetzt weder in Ursprungsform. Er weiß genau was und wieviel er braucht und will.

Ich muss nur ein bißchen aufpassen und hinhören.

Dückt mir die Daumen.

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