Platzprobleme

Das erste Jahr im Bauwagen ist vorbei und meine Pläne waren ja so ganz großspurig bis Ende 2019 einen neuen Plan zu haben. Natürlich nicht in eine Wohnung ziehen, sondern vielleicht noch mal Deutschland verlassen und . Ach was weiß ich. Aber ich war in der komfortablen Situation noch etwas Zeit zum planen zu haben.

Also ich liege quasi auf meinem Sofa, freu mich des Lebens und bin davon überzeugt, dass sich schon alles fügen wird.

Beim Blick nach draußen sehe ich, dass ein alter Mann mit einer Horde Vietnamesen im Schlepptau über Grundstück trampelt, mich freundlich grüßt und weiter geht, als wäre es das Selbstverständlichste von der Welt. Ich springe in meine Jeans und gehe hinterher. Roland ist nicht da, nur seine Angestellt und die hat dann mit denen geredet. Na gut denke ich, die wollten wohl zu Roland. Aber Anke hat nur mit ihnen geredet, weil sie selber raus gekommen ist um zu fragen wo sie den hin wollen. Der weißhaarige Anführer entpuppte sich als Besitzer und die Vietnamesen um kauf oder zumindest pachtwillege Nachbarn. Hier um die Ecke ist eine christliche, vietnamesische Gemeinde und die wollen sich auf der ungepachteten Hälfte des Geländes ein „Wandelgarten“ hinbauen, wo sie dann während ihren christlichen Feiern drauf spazieren gehen. Und natürlich gefällt ihnen unsere Ecke am besten. Klar, hier hat ja auch jemand alles planiert, eigesäht und gepflegt.

Am nächsten Tag kamen dann wieder so 20 Männer, wollten gerade zu unserem Platz abbiegen, haben mich dann aber da sitzen sehen und sind dann wieder abgezwitschert. Am Tag drauf noch mal doppelt so viele. Mit Papieren in der Hand standen sie am Eingang, haben hier und dort hin gezeigt und mir ist vor lauter Wut schon wieder der grüne Schaum aus den Ohren gekommen.

Dann war Roland wieder aus der Schweiz zurück und hat den christlichen Redelsführer abgefangen. Ja, die hätten am liebsten unseren Teil, bekommen sie aber wohl nicht, deswegen begnügen sie sich mit dem Hinteren, was sie dann aber richtig frei räumen. „Meinetwegen“, hab ich mir dann gedacht, sollen sie mal machen, solange es klar gemacht wird, dass unser Teil kein Zoo ist, wo man mal eben mit x Leuten durch latschen kann um hier rumzuklotzen . Angeblich haben alle auch die Anweisung unseren Teil nicht zu betreten.

Trotzdem kam am Tag drauf wieder einer an. Ein junger Mann mit einem jungen Riesenhund, ohne Leine. Fiebie ist an ihrer Leine natürlich komplett ausgerastet, hat gebellt und sich auf doppelte Größe aufgeplustert. Der Hund des jungen Mannes hat einen alten Arsch gehorcht und hat versucht mit Fibie zu spielen. Da er aber 4 mal so groß war und Fibie echt schon fast wahnsinnig wäre das nicht gut gegangen. Leider hat er sich aber nicht abrufen lassen. Ich zerre Fibie rein, der Riesenhund kommt auf der Treppe hinterher, Lenny will auch raus um sein Revier zu verteidigen. Es muss auch erwähnt werden, dass ich gerade dabei war Brotteig zu kneten wo der Stress angefangen hat. Wo ich die Hunde dann glücklich im Wagen hatte, waren sie mit Brotteig eingekleistert und meine Hände sahen aus wie Wolfsklauen wegen der vielen Hundehaare die dran hingen. Der Höllenhund lief darum, ließ sich nicht einfangen und ich habe so laut und lange geflucht, dass die Ludt geflirrt hat. Eigentlich hätte es Schwefel regnen müssen. Der Typ hatte echt die Hosen voll. Obwohl er kein Wort verstanden hat.

Im Wagen habe ich gekocht und gezittert vor Wut. Dann … hab ich tief durchgeatmet und hab dem Typen meine Leine geliehen, damit er seinen Hund vom Grundstück schaffen kann. Er hat sie mir dann auch gleich zurück gebracht, gesagt das es ihm leid tut und ich habe noch gesagt, dass sein Hund wohl die gleiche Hundeschule wie meine besucht haben und gut wars.

Etwas später, wieder zwei Jüngelchen. Die sind dann gleich mal direkt aufs Grundstück gelatscht, weil sie mich nicht in der Hängematte haben liegen sehen.

Die hab ich mir geschnappt und beide konnten Akzentfrei Deutsch reden. Waren auch Deutsche mit vietnamesischem Hintergrund. Egal. Die konnten mich dann aber aufklären.

Ein Fest mit 700 Vietnamesischen Christen aus aller Welt wird es hier geben.

Juhu.

Gab es dann auch.

Nur dass man von 700 vietnamesischen Christen weniger mitbekommt als von 7 Jugendlichen aus der Südstadt.

Die Woche verging und wir atmeten wieder auf.

Leider, leider hatten die guten Christen um von einem Grundstück aufs andere zu gelangen einen illegalen Bahnübergang gebastelt. Durch das Grundstück fährt nämlich einmal am Tag ein Schneckenzug um Papier in die Druckerei zu bringen. War nie ein Problem. Aber sie hatten nicht nur Dreck zwischen die Gleise gekippt, damit sie da hin und her fahren können, sondern auch noch Tunnel unter die Gleise gegraben um sich Strom und Wasser zu legen. Das fand die DB nicht so toll und es gab wohl eine Anzeige. Also liefen zwei Polizisten mit einer kleinen Gruppe DB Menschen übers Grundstück und betrachteten ihr verwüstetes Gleisbett. Ich fuhr dran vorbei und wollte gerade zum Tor raus da rief einer „Wer hat das Tor da hin gemacht? Das ist auch illegal. Das ist ein illegaler Bahnübergang!“ Ich sagte: „Das Tor gab es schon vor meiner Zeit, ist also etwas älter und wenn es hier was zu beanstanden gibt melden sie sich bitte bei XXX, das sind die Besitzer. Aber hier fährt doch nur einmal am Morgen der Papierzug in Schrittgeschwindigkeit.“                                                                                                                „Das ist egal, es ist ein Bahnübergang und deswegen muss da ein Andreaskreuz und Warnschilder hin oder man soll eine orangene Weste anziehn.“

Ich bin dann weg gefahren, weil es ja nicht meine Ding ist da ein Andreaskreuz hin zu machen. Man sagte nur noch, dass man mal dem Ordnungsamt Bescheid sagen wollte wegen dem Schutt auf dem Schuttplatz, dass muss nämlich auch gesondert gelagert werden wegen Brandgefahr.

Und ich dachte, dann ist es vorbei. Wenn die kommen und es ist so ein ganz Genauer, dann ist das Ding hier rum. Dann bekommen wir den Platz geräumt.

Wir stören hier zwar niemanden, verbrennen keinen Müll oder machen hier dunkle Geschäfte, aber was nicht sein darf, darf nun mal nicht sein und dazu gibt es Bauordnungen u.s.w..

Und dann dachte ich, zwar wollte ich wegen dem alten Hund genau hier bleiben, weil ich ihm keinen Umzug mehr zumuten wollte, aber dann muss er eben noch mal durch. Solange er einen Platz zum Schlafen, genügend Futter und sein altes Frauchen neben sich hat, sollte es doch auszuhalten sein. Egal wo.

Die Besitzer des Grundstücks beruhigten uns aber wieder. Das dauert alles. Nur ruhig. So schnell passiert hier nichts.

Also mach ich noch mal Pläne um den Wagen umzubauen. Nächste Woche baue ich ein breiteres Bett und ein „Badezimmer“. Alles aus Paletten. Kann aber auch sein, dass ich dann nächste Woche heulend auf einem Stapel Paletten sitze und in den Gästewohnwagen ziehe.

Nun gut. Ich fahre also los und borge mir Werkzeug von meinem Freund Micha. Auf dem Rückweg dachte ich so bei mir. Ok Tanja, noch einmal von Januar bis Dezember Bauwagen. Aber Dezember 2019 stehen dann die Pläne für was anderes.

Ich liebe das Bauwagenleben und ich freue mich schon wieder auf einen gemütlichen Winter am Ofen. Auf Gespräche mit Roland und Rotwein, auf das warten bis es hell wird, auf Plätzchen und Holz und ganz viel Ruhe. Und ich will auch noch einen Frühling, Sommer, Herbst mitmachen und dann, den letzten Winter. Ich werde Ende Dezember 2019 wieder aus Halle verschwinden. Fragt mich nicht wo hin. Ich weiß es nicht. Ich verknüppel den Bauwagen und dann geht’s wieder los.

Aber ich habe das Bedürfnis alles noch besser zu dokumentieren. Alles Gute und alles Schlechte.

Einfach für mich und für alle die gerne würden, sich aber nicht so richtig trauen.

Und bei mir ist es so, wenn etwas im Kopf beschlossen ist, dann lässt sich das nur ganz schwer Rückgängig machen.

Ich fahre also nach Hause und denke „Na dieses Jahr wird ja nicht mehr viel passieren und nächstes Jahr werden wir wohl noch überstehen hier.“

Das denke ich so, freue mich und als ich dann durch unsere wundervolle Schutteinfahrt fahre, kommt mir Anke entgegen. Das ist Rolands Angestellte, die im Stelzenhaus sitzt und arbeitet.

Kommt mir entgegen und sagt „Die baggern da schon wieder. Der Baggerfahrer meinte hier soll demnächst der ganze Schutt abgetragen werden.“

IMG_20180927_130357520[1]

Es wird fleißig gebaggert. :o/ Rolands neue Aussicht

Nun gut. Wenn du Gott zum lachen bringen willst, erzähl ihm von deinen Plänen.

Es bleibt spannend.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s