Die Sache mit dem inneren Kritiker

und dem Selbstbewusstsein

Ich habe ziemlich oft, ziemlich gute Ideen. Aber ganz oft läuft es nicht so wie ich es möchte. Liegt es vielleicht da dran, dass meine Ideen dann am Ende doch nicht so gut sind? Mag sein.

Aber im Laufe der Jahre habe ich herausgefunden was mir sehr viel öfter einen Strich durch die Rechnung macht. Der innere Kritiker, der bei Frauen generell und bei mir im Besonderen sehr ausgeprägt ist.

Als ich z.B. meinen erste Roman den ich ca. 15 Jahre auf der Festplatte hatte, verschämt einer Freundin gezeigt hatte, nachdem wir im Gespräch durch Zufall darauf gekommen sind und sie mich mehrmals aufforderte ihn endlich herauszurücken, hatte ich erst mal Blut und Wasser geschwitzt. Sie war Lektorin, hatte also Ahnung. Erst als sie mir versicherte, dass er wirklich witzig sei und mir anriet ich sollte auch besser mal anfangen zu bloggen konnte ich wieder ruhig Atmen.

Sie leierte mir den zweiten Roman aus dem Kreuz, den ich halbfertig hatte, weil ich ja schon immer gerne schreibe und meinte dann ich sollte recht schnell auf Amazon eine „Autorenseite“ einrichten.

Das ging dann erst mal nicht. Es war mir peinlich. Ein kleines e-book und dann eine Autorenseite. Das sieht einfach nur nach Größenwahn aus. Wenigstens das zweite Buch fertig haben, sonst sieht es oberlächerlich aus.

Der zweite Roman war fertig und unter ihrem gestrengen Blick habe ich dann die Seite eingerichtet. War ein bißchen wie mit offenem Hosenstall rumrennen.

Ein innerer Kritiker ist ja auch verdammt wichtig.

Ich hatte mal eine Zeit lang Kampfsport gemacht. (Lange her und ich war und ich bin auch nie aus dem Anfängerstadium raus gekommen).  Der Chef des Vereins ließ sich gerne mit „Meister“ anreden und bekam dadurch dann auch den ein oder anderen Höhenflug. Ja er war meinetwegen KungFu und Karate Meister und ein wirklich toller Typ in den verschiedensten Kampfsportarten. Allerdings liebte er es Vorträge zu halten. Über Kindererziehung, Tapezieren, Renovieren, Autos und geschichtliche Themen. Wir standen also am Mattenrand und er schwadronierte, nach jedem Training fast noch eine halbe Stunde rum. Und er bekam es nicht mit wie sich alle kaputt gelacht haben, sobald er nicht mehr über den Sport geredet hat, weil er in allen anderen Themen nur mäßig bis gar keine Ahnung gehabt hat und vorwiegend Dünnes gequatscht hat.

Das liebe Fräulein hat bei ihm kurzfristig Kickboxen gemacht, fande die Laberei aber so schrecklich, dass sie nicht mehr hingehen wollte. Daraufhin bekam ich dann einen Vortrag zu hören wie man seinen Kindern Disziplin beizubringen habe.                      Dieser Typ ist für mich immer noch ein abschreckendes Beispiel, was passieren kann, wenn man ohne einen inneren Kritiker unter Menschen geht.

Klappern gehört zum Handwerk hat man mir gesagt und gemeint ich sollte offensiver werden. Meine Sachen in mehr Gruppen posten, mehr Leute auf meine Seite einladen. Das ist manchmal sowas von unangenehm. Vor allem wenn man viele Menschen kennen gelernt hat, deren Handwerk ausschließlich aus Klappern besteht. Klapperköpfe sozusagen. Ja, vielleicht will der innere Kritiker ja nur vor peinlichen Auftritten schützen, vor unvermeidlichen Niederlagen. Ist er aber zu streng, bekommt man den Arsch gar nicht mehr hoch und traut sich nichts mehr. Man sollte das irgendwie gut ausbalancieren.

Nun ja, ich auf alle Fälle, hatte immer den Kopf eingezogen wenn ein „Experte“ um die Ecke kam um „die Sache in die Hand zu nehmen“. Weil ich ganz lange davon ausgegangen bin, dass da schon irgendwas dahinter steckt, wenn jemand selbstbewusst und tonangebend daher kommt.

Das war dann auch eine Lektion die ich in Spanien gelernt habe. Ganz oft ist es so, dass die, die am lautesten brüllen und überall mitreden können tatsächlich nur eine falsche Selbstwahrnehmung haben. Man erkennt sie auch gut daran, dass sie als erstes alle anderen Leute die Ahnung haben könnten durch den Dreck ziehen und erstmal erzählen warum es so wie andere es tun vollkommener Blödsinn ist.

Solche Menschen gilt es rigoros auszusortieren. Ständig ungefragt Ratschläge geben, fragen warum man es so gemacht hat und nicht anders um anschließend lang und breit zu erzählen wie man es selber gemacht hätte, gewürzt mit ein paar Geschichten von Menschen die vor dem gleichen Problem gestanden haben, denen man aber dann geholfen hat.

Aber wenn man öffentlich ist, also z.B. bloggt, dann kann man kaum aussortieren. Aber gerade im www treiben sich die ganz tollen Experten rum. Und dann kann ein dummer Kommentar 10 positive Kommentare in Nichts auflösen.

Da irgendwann drüber zu stehen ist ein elendig, schwerer Prozess. Und Leute mit gesundem oder ungesund hohem Selbstbewusstsein haben eine Zeitlang meinen inneren Kritiker auch noch bestätigt. Und wenn man sich nicht richtig raus traut, dann ist man ein gefundenes Fressen für die Scheinexperten. Ich bin z.B. immer vor Angst fast abgeklappt, wenn Yogalehrer meinen Unterricht besucht haben. Ich hatte gleich schwitzige Pfoten, war aufgeregt und fahrig und habe deswegen zu viel geredet. Dann bin ich nach der Stunde dahin gekrochen und habe demütig um ein Feedback gebeten, welches ich auch immer gleich bekommen habe. Manche kritisierten dann meinen Unterrichtsstil oder meine Aufmachung. Nicht ernsthaft genug, zu wenig spirituell, zu viel Lachen.

Der ein oder andere dachte dann gleich er könnte sich zu meinem Guru aufschwingen und mir erstmal richtig was zeigen und mit erschrecken durfte ich feststellen, dass hier auch nicht so viel dahinter steckt, aber das ich durch mein dämliches Verhalten deren Selbstbewusstsein auch noch gestärkt habe. Natürlich gehört Spiritualität zum Yoga dazu. Aber ein bißchen Anatomie ist auch nicht zu verachten. Und eine Yogastunde ist nicht dazu da um anderen zu zeigen was ich alles kann. Aber es hat tatsächlich eine ganze Weile gedauert, bis ich den Mut hatte mich hin zu stellen und zu sagen, dass ich eine gute Yogalehrerin bin, ohne danach gleich den Kopf einzuziehen um darauf zu warten wer jetzt gleich ein Veto einlegt.

Aber Schwamm drüber. Ich bin eine gute Yogalehrerin. Und ich bin eine gute Bloggerin. (Trotz der vielen Rechtschreibefehler.  Das weiß ich jedesmal wenn mir jemand schreibt der über meine Texte gelacht oder auch nur geschmunzelt hat. Weil genau das möchte ich. Wenn ich es darauf abgesehen hätte Weltliteratur im festen Einband zu schreiben hätte ich mein Ziel verfehlt. Aber da leichte Unterhaltung und Inspiration meine Ziele sind – Ziel erreicht.

Es sind nicht wirklich viele Menschen die mir z.B. auf facebook folgen. Andere Blogger haben da ein, zwei, drei Nullen mehr dran. (und schon macht mein Hirn ein „die richtigen Blogger“ draus),

es sind auch nicht so viele Menschen die meine Yogastunden besuchen. Ich habe auch immer noch manchmal das Gefühl ich drängel mich auf. Das fängt schon damit an wenn ich Leute einlade meine Seite zu liken. Oder nach dem VHS Kursen die Teilnehmer bitte ein Gästebuch Eintrag zu schreiben und mich zu bewerten.

Aber das wird mein Lernfeld für diesen Winter. Freunde sind schon vorgewarnt. Wenn ich meinen inneren Kritiker so unterdrückt habe, dass ich mich mit Meisterin anreden lasse oder tatsächlich anfange Menschen auf den Schweller zu gehen, dann werden sie mich auf den Boden der Tatsachen zurückholen.

Die meinen aber das könnte lange dauern.

Auch deswegen gibt es ein Novembergewinnspiel. Man kann meinen Roman gewinnen und/ oder Weihnachtspost und Yogastunden (wobei das vermutlich nur für Hallenser interessant ist.)

Nähere Infos bekommt ihr auf meiner (ganz alleine selbstgemachten ) Internetseite

www.MoYosKram.de

Das ist ein Dankeschön an Alle die mich mit lieben Worten, gekauften Yogakarten, freundlichen Kommentaren oder einfach nur mit einem Daumen nach oben unterstützen.

Vielen, vielen Dank.

5 Gedanken zu “Die Sache mit dem inneren Kritiker

  1. Ach wie herrlich. Muss mein Gesicht wieder ordnen das vom vielen lachen ganz verzerrt ist. Toll geschrieben. Bei dem teil wo du die Menschen benanntest die alles besser wissen wollen kam mir sofort meine Tante in den sinn. Oh wie ich sie manchmal am liebsten auf ein Pulverfass gesetzt hätte wenn sie wieder alte Geschichten vom Kinder erziehen erzählt hat während ich versuchte mein alles entdecken wollendes Kind daran zu hindern alles aus dem Regal zu ziehen und dabei schrie will lade will lade. Ja ja. Bekomme ich direkt Lust auch zu bloggen.

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  2. Nein. Definitiv nicht. Zumal die besagte Tante keine Kinder hat und ihre Tante hebamme War und meiner hebamme erzählte wie man es früher machte. Ich kam mir so dumm vor. Ich wusste nix. Sie alles.

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    • Und sie hat deine Hebamme zu getextet? Das ist doch zum Fremdschämen! Aber Tanten sieht man ja nicht so oft wie Mütter oder Schwiegermütter. Dann hält sich das ja noch in Grenzen oder? Also ich habe meine Tanten max. auf Geburtstagen gesehen.

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    • Ach mit dem beruhigend finden, habe ich gemeint, dass ICH es beruhigend finde, wenn andere die gleichen „Erfahrungen“ mit solchen Typen machen. 😀 und ich dann weis, dass ich nicht der einzige Magnet für Arschgeigen bin.

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