KlimaKinderKwatsch

Als das liebe Fräulein mir noch bis zum Ellenbogen ging, war ich noch keine 30 Jahre alt und so wenig ein Öko wie man es sich nur vorstellen konnte. Und nicht nur das. Manchmal war ich auch recht faul und egoistisch. Das ganze konnte ich mir aber schön reden mit der Begründung das liebe Fräulein würde ja ohne Geschwister aufwachsen gegen die sie sich durchsetzen muss, dann schadet es nicht wenn ihre Mama mal die Rolle der großen Schwester übernimmt und ihr ab und an den letzten Schokoriegel wegfrisst oder sie ärgert.

Ich hatte aber eine fiese Masche drauf. Z.B. habe ich es gehasst auf Spielplätze zu gehen. Nicht nur wegen der vielen lärmenden, heulenden, kreischenden Kinder, auch wegen den anderen Müttern auf der Bank, die sich mit Heldengeschichten ihrer Kinder übertrumpfen wollten.

Am liebsten habe ich mit meinem dicken Hintern auf dem Sofa gesessen, Kaffee getrunken, gequarzt und gelesen. Aber, das Kind muss ja an die frische Luft – sagt mein Verstand. Also bin ich immer wieder ins Kinderzimmer gegangen und habe gesagt „Wenn du in einer halben Stunde dein Zimmer aufgeräumt hast, dann spazieren wir noch mal zum Spielplatz.“ wohl wissend, dass sie mitnichten ihr Zimmer in einer halben Stunde aufgeräumt hat. Erstmal hat sie sich kein Bein ausgerissen um spazieren zu gehen, war sie doch 5 Tage in der Woche bis zu 8 Stunden täglich im Kindergarten um dort im Freien mit Freunden zu spielen und zum zweiten hätte sie es ohne Hilfe in einer halben Stunde nie geschafft ihr Zimmer in Ordnung zu bringen.

Ich hatte mein Kind also an einer empfindlichen Stelle gepackt und konnte somit meinen Hintern wieder aufs Sofa drücken.

Wenn ich nicht so scheiße gewesen wäre, hätte ich gesagt „Komm, wir gehen eine Runde raus und wenn wir wieder zuHause sind, dann helfe ich dir beim aufräumen.“ dann hätte sie sich gefreut mit mir spazieren zu gehen.

Ob es ein Spieleabend, eine Familienfeier, ein Zeichentrickfilm oder Besuch war, ich hatte immer einen Grund es nicht machen zu müssen wenn ich nicht wollte und konnte die Schuld dann immer meinem lieben Fräulein in die Schuhe schieben. Weil sie heute früh so getrödelt hat, weil sie frech war, weil sie ihre Jacke nicht an den Haken gehängt hat, weil, weil, weil.

Ach – das hört sich jetzt an als wäre es immer so gewesen, natürrlich nicht. Wir waren sehr, sehr oft unterwegs und auf dem Spielplatz, Parks, Brunnen … aber trotzdem ist es nicht unoft vorgekommen, dass ich mich so schäbig verhalten habe. Ein Glück ist aus dem lieben Fräulein trotzdem kein Kind geworden, dass nun immer schön den Weg des geringsten Widerstandes geht und sich mit einem Schulterzucken in jede Bequemlichkeit reingefügt hat.

Wie kommt es, dass ich jetzt mit dieser unpädagoischen Peinlichkeit rausrücke? Weil es mich über Jahre belastet hat und ich nun glücklicherweise weis, ich bin mit dem assigen Verhalten nicht alleine. Nun gut, ich hätte es nie drauf gehabt meine gemeine Finte auf facebook zu posten um mich dafür abfeiern zu lassen, aber es scheint in allem noch eine Steigerung zu geben.

Da sind ja jetzt ein „paar überspannte Rotznasen“ die für unser Klima demonstrieren und dabei die Schule schwänzen.

Ein Elternteil hat seine Kinder wohl gefragt wie lange sie diesen Mist durchziehen wollen, worauf die kleinen Scheißer meinten, solange bis sich was ändert und unser Planet sicher ist.

Daraufhin gaben sich beide Eltern erstmal einsichtig und meinten dann wollten sie aber auch ihre beiden Autos verkaufen und nur noch eins haben und die Kinder müssten dann mit der S Bahn zur Schule fahren. Zudem wollte man auch die Handys einziehen und nur noch ein Telefon an der Schnur haben. Obendrein sollten dann auch nur noch Klamotten im Second Hand Laden gekauft werden. Natürlich vergaß man nicht zu erwähnen, dass die dann kaum der neusesten Mode entsprechen würden. Zuguterletzt meinte man Fastfood und Softdrinks aus Plastikflaschen werden reduziert, es würde mehr gekocht werden, das Zeug dazu muss vom Markt ran geschleppt werden und die Mehrkosten die dadurch entstehen wird z.B. durch kürzung des Taschengeldes kompensiert.

Die Kinder machten erstmal lange Gesichter und das Klimathema war wohl erstmal vom Tisch, woraufhin sich alle Erwachsenen abgefeiert haben.

Ich dachte nur „Cool, ja, da müsst ihr Stolz drauf sein, dass ihr eure Kinder schon so zu tollen Konsumenten erzogen habt, dass sie eine innere Überzeugung fallen lassen sobald der Futterkorb etwas höher gehängt wird. Ganz toll gemacht.“

Es gibt einleuchtende Argumente für und gegen den Klimawandel. Ich glaube auch, dass sich das Klima verändern würde, auch ohne Menschen. Ob nun so schnell und so drastisch steht auf einem anderen Blatt. Ich glaube auch nicht, dass das Dieselverbot wirklich was bringt und eigentlich nur mal wieder eine „Marktbereinigung“ ist, damit die Wirtschaft wieder angekurbelt wird. (Doof, ja aber auch besser alls der amerikanische Weg – irgendwo einen Krieg anzuzetteln um neuen Bedarf an Wirtschaftsgütern zu schaffen.) Diesen DUH halte ich für nichts weiter als einen Abmahnverein, dem die Umwelt am Arsch vorbei geht.

Aber dennoch sollte inzwischen jedem klar sein, dass etwas passieren muss, was über ein Bild auf Facebook posten hinaus geht.

Ist es denn tatsächlich zuviel verlangt einen Stoffbeutel zum einkaufen mit zu nehmen. Ich könnte jedes mal kotzen wenn Menschen mit ihren SUVs bei Netto vorfahren um sich das Billigste vom Billigen in den Einkaufswagen zu werfen, weil man ja auf- jeden Cent achten muss aber Geld für einen Plastikbeutel ist komischerweise immer übrig …nein, dass ist ja jetzt nicht der Aufreger des Monats.

Den meisten, die sich über den Klimawandel lustig machen, unterstelle ich, dass sie in erster Linie nicht „Alles In Ordnung, unserem Planeten geht’s gut, eure Enkelkinder haben auch noch Luft zum atmen.“ hören wollen, sondern einfach nur „Alles in Ordnung, kaufe weiter ein wo und was du willst. Dein Konsumverhalten hat garnichts damit zu tun, dass unser Planet kaputt geht.“

Und das tolle Elternteil von der oberen Geschichte kann schulterzuckend dann seinen Enkelkindern sagen „Wir wollten damals auch mitmachen, aber deine Mutter wollte dann doch ihr Handy nicht abgeben und gebrauchte Cordhosen tragen.“

Dabei haben wir unseren Kindern eingeredet, „Wenn ihr euch wehrt, dann könnt ihr nicht mehr zur normalen Gesellschaft gehören.“

Aber die Studien …. heul, heul … es gibt Studien in beiden Lager. Keine wurde von Sonderschülern angefertigt. Ich finde es immer nur bemerkenswert, wie sich genau die Studien rausgepickt werden die mir gerade in den Kram passen.

Als die WHO eine Studie rausbrachte wie ungesund Schweinefleisch ist, nannte man es Panikmache. Als jemand eine Studie über ungesunde Sojamilch rausbrachte nutzte man dies für ein ausführliches Veganer Bashing.

Und plötzlich werden die „schulschwänzenden Rotzgören“ verglichen mit den Kindern die im Kongo nach Lithium graben und mit Kindern aus Bangladesh die ihre Hipster Klamotten nähen.

Es ist doch die gleiche Masche wie mit den Armen. Jahrelang sitzen bettelnde, obdachlose Junkies unbemerkt in den Ecken. Schon zu meiner Schulzeit gab es Eltern die sich die Klassenfahrt

für ihr Kind nicht leisten konnten… Aber dank der Flüchtlingskrise waren die dann auf einmal interessant. Zumindest Interessanter als Flüchtlinge.

Und nun wird sich plötzlich an Kinder erinnert die Schokolade, Kaffee und Baumwolle anbauen.

Die Schuhe, Klamotten und Handtaschen nähen um für sich und ihre Familie eine Mahlzeit am Tag zu verdienen. Aber es wird sich nicht an sie erinnert, um etwas an seinem Konsumverhalten zu ändern, sondern um denen die etwas ändern möchten ihre „Luxusprobleme“ vor Augen zu halten.

Vorher will von Kinderhandel für Kaffee und Kakao keiner was gewusst haben.

Das liebe Fräulein ist immer mit den Övis oder mit dem Rad zur Schule gefahren. Ganz klar. Aber in der 13. hatte ich dann meinen Bus. Insgesamt ist es drei mal vorgekommen, dass sie mich bei absolutem Unwetter gebeten hat sie doch mal in die Schule zu fahren, weil sie auch viel zu schleppen hatte.

Natürlich habe ich das gemacht. Aber trotzdem habe ich danach nicht z.B. Essenreste ins Klo geschüttet um sie dabei anzumaulen „Ach ja, jetzt ist dir auf einmal die Umwelt wichtig du Heuchlerin.“

Ich würde es schön finden, wenn man sich als Familie zusammen setzen könnte um zu beratschlagen wie man seine Umweltbilanz verbessern kann. Was jeder einzelne tun kann, wo er Hilfe braucht, auf was er jetzt noch nicht verzichten möchte und auf was er nie verzichten möchte, wie viele Ausnahmen es geben kann und was man nur zusammen schafft.

Man könnte jetzt seinen Kindern ein verantwortungvolles Bewusstsein schaffen, zum Trotz aller Kapitalisten die möchten, dass alles so weitergeht ie bisher.

Man könnte Kindern jetzt beibringen, dass man ökologisch Leben kann ohne auszusehen wie ein verhärmter Grottenolm.

Es ist kein Verzicht, wenn man etwas nicht bekommt, auf das man gar kein Recht hat.

Und der ganze Ökohype ist eben nicht nur für Menschen mit fettem Gedbeutel gemacht. Das ist Quatsch und einfach mal nicht wahr.

Ich würde sogar behaupten, es ist genau anders herum und die Konzerne versuchen halt verzweifelt auf den Ökozug aufzuspringen und schaffen dann die „passenden Produkte“ um wenigstens noch ein paar Cent aus den Ökospinnern raus zu drücken.

Greta Thunberg, das Mädel mit den Zöpfen, dass den Stein ins rollen gebracht hat und sich nun beschimpfen und beleidigen lassen muss. Erwachsene die sich nicht entblöden sie auf ihre „häßlichen, gruseligen Augen“ zu reduzieren. Erwachsene die sich einen Ast freuen weil man sie dabei erwischt hat wie sie sich auf einer stundenlangen Zugfahrt doch mal was zu Essen kaufen musste, was in Plastik eingewickelt war. Die kleine Heuchlerin, wenn es ihr wirklich Ernst wäre, wäre sie lieber verhungert als was zu essen was in Plastik eingewickelt war.

Ich hoffe ihr geht es gut. Ich hoffe sie hat weiterhin Kraft das durchzustehen. Ich hoffe sie verliert nie ihren Mut.

Warum das kein Aufreger des Monats ist? Weil ich über das Aufregstadium schon längst drüber bin.

Ich bin darüber nur noch traurig und echt mutlos.

Ich meine, ich versuche ja auch so zu leben um, in erster Linie, den kleinstmöglichen Schaden anzurichten und bekomme ziemlich oft unterstellt ich wäre einfach nur ein unangepasster Assi und in erster Linie machen sich die Leute Gedanken, dass sie meinen Lebensstil mit ihren Steuergeldern mitfinanzieren müssen. Sowas zermürbt gelegentlich. Vor Jahren habe ich deswegen mal den „Scheinehundhammer“ veröffentlicht. Sowas wie den „Hexenhammer“ nur eben für Scheinehunde.

Aber ganz oft ist es mir inzwischen egal. Ich ziehe mein Ding durch und ziehe mich aus der Verantwortung. Sollen sie sich doch alle bei Wish Plastiktüten bestellen um über ihre Köpfe zu ziehen und diese dann fest verknoten.

Ich muss mich am Ende nur für mein Tun rechtfertigen und ich kann mich im Spiegel angucken und meinen Enkelkindern in die Augen gucken und sagen „Ich habe nicht mitgemacht. Es tut mir leid das ihr hier aufräumen müsst, aber ich habe ziemlich lange meistens mein Bestes gegeben.“

Aber Greta macht wieder Mut. Vielleicht wird es ja irgendwann eine Gesellschaft geben wo Nesspreso Nutzer und SUV Fahrer genauso geächtet werden wie Heute die „Klimaverschwöreraluhutträger.“

Das wünsche ich mir.

Amen.

Ein Gedanke zu “KlimaKinderKwatsch

  1. Schön geschrieben, liebe Tanja. Ja alle Menschen müssen in ihrem Leben was verändern. Immer ein bisschen mehr. Der Schaden wurde auch nicht über Nacht gemacht, sondern ist über Jahre, Jahrzehnte entstanden. Ich höre auch Menschen die sagen, erst müssen die grossen Konzerne ihren Müll reduzieren und nicht die kleinen Haushalte. Doch alle sollten etwas tun. Und Gottseidank werden es immer mehr die aufwachen und Vorbilder für andere sind. Und gerade Menschen wie Greta die die Welt aufrütteln und ihnen den Spiegel vorhält, sind die Helden. Hat Jesus doch auch versucht und ist gescheitert. Und doch spricht man immer noch über ihn. Also weitermachen.

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