Aufreger des Monats – Februar

Kettenbriefe

haben mich durch meine Kindheit begleitet.

Es waren solche wo du an die oberste Adresse ein Rezept, Geschirrtuch, Taschentuch oder eine Postkarte schicken musstest, deine Adresse unten ran setzen solltest und alle anderen Adressen dann eins hoch gerutscht sind.

Ich habe nie auch nur eine Postkarte bekommen. Aber ich war auch nicht ganz so fleißig und du musstest die ja immer 6 mal abschreiben.

Das lag daran, dass dir noch nicht mit Unglück, Pech und ewiger Jungfräulichkeit gedroht worden ist wenn du die Kette unterbrichst.

Das kam dann hinterher, wo dann irgend ein Liebeszauber in der Kette steckte. Man musste den Namen des Angebeteten auf den Brief schreiben und dann ganz fett durchkritzeln. Auf jeden Brief. 6 mal und dann verteilen. Hat man das nicht gemacht gab es keine Chance jemals auch nur auf Armeslänge an deinen Schwarm ran zu kommen. Ich habe es gemacht und … 30 Jahre später bin ich zumindest mit seiner Schwester auf facebook befreundet.

Meinen letzten Handgeschriebenen Kettenbrief habe ich am 6. Dezember 2001 in meinem Briefkasten gehabt. Da habe ich schon in Halle gewohnt und ich dachte es wären Nikolausgrüße.

Danach sind Kettenbriefe digitalisiert worden. Auch die 100 Jahre alten die schon seit Anbeginn der Schrift um Umlauf sind.

Nun bin ich ja recht anfällig für so einen Kram. Ich liege also tatsächlich Nachts wach und mache mir Gedanken welches Unglück mir widerfahren könnte wenn ich die Mail nicht an 20 Freunde weiter leite.

In Anfällen von Verzweiflung habe ich dann immer mal Kettenbriefe verschickt. An Leute die keine Gewissensbisse haben die Kette zu unterbrechen.

Mit Whats App haben die Kettenbriefe neue Dimensionen angenommen. Irgendwelche Scheiß Engel die dir geschickt werden und die von dir weiter geschickt werden sollen, wenn du keinen Freund verlieren möchtest. Aufrufe etwas in seinen Status zu posten, irgendwas, das schon mal jemand nicht weitergeschickt hat und dann ist sein Kind unheilbar krank geworden und dann hat er den Brief gesucht und gefunden und 20 mal geschickt, eine Stunde später fanden die Ärzte ein Heilmittel.

Meine letzte Ketten whats ap war dieser blöde Rosmarintag. Ich dachte „Oh man, es läuft alles so gut, na ich will nichts riskieren und verschicke den Rotz. An die üblichen Verdächtigen. Meine Schwestern, den feinen Herrn vom lieben Fräulein (der würde es nicht wagen seine Schwiegermutter anzumeckern) und meine besten Freunde, die meine Phobie kennen und nicht böse sind.

Tags darauf hat mir der Frühstücksmann von seinen kalten Füßen berichtet.

Mein erster Gedanke war „Aber ich habs doch 8 mal verschickt…heul, heul.“

Nun gut, kaum ins neue Jahr gerutscht, gibt es auch neue Kettenbriefe. Also so neu sind die nicht. Ich hatte einen, den schon Napoleon mal gekriegt hat. Ich war baff, denn den Text kannte ich noch aus meiner Schulzeit. Genau der Gleiche. Mit den gleichen Drohungen. Nur man sollte ihn jetzt 20 mal verschicken.

Aber ich hatte ihn schon verschickt. Also besser gesagt die Briefe in die Schule mitgenommen und irgend jemandem aufgedrückt.

Ich habe geantwortet mit „Tuche“ weil es eine von den Personen war, der ich den Rosmarin Text geschickt habe.

Dann habe ich den Text unverschickt gelöscht.

Dem lieben Fräulein geht’s immer noch gut.

Aber gleich am nächsten Tag kam ein ähnlicher Text von einer Bekannten. Wir haben gar nicht viel miteinander zu tun.

Ich habe ihr höflich und bestimmt geschrieben, dass sie sowas lassen soll. Ich möchte mich nicht erpressen und bedrohen lassen. Mir mit dem Tod eines Familienmitglieds zu drohen wenn ich nicht 15 Freunde mit einem Kettenbrief belästige ist eine absolute Unverschämtheit.

Nun, sie hat kurz drauf geschrieben, dass es ihr leid tut. Ihr war es auch peinlich. Aber, sie fand meine Idee gut und hat den Kettenbrief mit dem gleichen Text wie ich ihn ihr geschrieben habe an ihre Friseurin zurück gegeben.

Und ich dachte, meine Fresse, ich habe jetzt vielleicht einen Rückwärtskettenbrief angestoßen.

Der geht jetzt zurück bis zu seinen Anfängen.

Und dann hat der Feldmarshall von Napoleon aber voll Pech und die Arschkarte.

7 Gedanken zu “Aufreger des Monats – Februar

  1. Aber das wär doch auch mal eine Idee – ein Kettenbrief durch Raum und Zeit… – wenn du diesen Brief nicht 20 Leuten schickst, wird der Urheber die Wiedervereinigung der japanischen Dreiteilung nie anstoßen können und das führt letztendlich über intermediäre Kettenreaktionen dazu, dass du nie geboren sein wirst…

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