Der Bauwagen und meine Pläne – im August

Letzten Sonntag war ich ja nun im Fichtelgebirge, in einem kleinen Dorf auf einem Biobauernhof.

Und in zwei Wochen fährt mich mein liebes Fräulein mit ihrem freundlichen Freund wieder da runter. Dann werde ich eine ganze Woche bleiben. Mit meinen Hunden.

Aber jetzt mal von Sonntag.

Also ich wurde vom Bahnhof abgeholt und wir konnten schon auf dem Weg zum Hof ganz gut miteinander plaudern.

Dort angekommen wurden erstmal ein paar Nudeln fürs Mittagessen gekocht und danach gabs eine Führung über den Hof.

Ein heller Stall mit großen Boxen, in zweien Pferde, eine mit zwei Kühen, eine mit ein paar Schafen und noch welche mit Kälbchen in verschiedenen Größen. Ein verirrtes Huhn ist durch gelaufen und der Dackel des Hauses. Die Boxen waren sauber, die Tiere hatten glänzendes Fell und haben neugierig raus geguckt. Draußen standen noch ein paar Pferde mehr, solche mit Fellstulpen an den Füßen. Es gibt einen Brotbackofen, wo auch einmal in der Woche mit den Gästen Pizza gebacken wird, es gibt mehrere Teiche in einigen kann man auch schwimmen und 7 Bienenvölker.

Auf dem Hof stehen Kastanienbäume. Es ist also ziemlich idylisch.

Der Bauer ist wirklich nett und ziemlich freakig wenn es um ökologisch Sinnvolles und Nachhaltigkeit geht. Es gibt einen kleinen Hofladen, wo später auch mal Kaffee und Kuchen verkauft werden soll. Also ein Hofcafe.

Während meiner „Probierwoche“ werde ich mit den Hunden in einer Hütte wohnen, mit Außenklo, die mitten in einer Baumgruppe steht. Im August ist das ja auch noch ok.

Allerdings ist das nur in der Probewoche. Wenn dies funzt, bekomme ich ein kleines Apartment. Man geht durchs Wohnzimmer um in ein seperates Schlafzimmer zu gelangen. Diesen Luxus hatte ich Anfang 2015 zum letzten mal und freue mich irgendwie schon drauf. Auch auf das kleine Badezimmer mit Dusche.

Aber wie es halt so ist, gab es hier und da schon Sachen wo ich dachte, dass man es vorher hätte mal erwähnen können.

In meiner Anzeige stande ja, dass es da einen sehr alten Hund gibt, der mir auf Schritt und Tritt folgt.

Als wir in die Hofküche gingen, blieb der Hofdackel, draußen im Flur liegen. Ohne an der Türe zu kratzen oder zu bellen. Als ich mich darüber wunderte meinte man nur „Der Hund bleibt immer davor liegen, weil Hunde nicht in die Küche dürfen.“

Da die Küche ziemlich gemütlich ist, mit Eckbank und Küchenhexe, wäre das in der Theorie mein Lieblingsraum geworden. Wo ich bestimmt auch Abends gerne gesessen hätte.

Aber da ich dann ja ein Wohnzimmer zum sitzen habe und meine Hunde jetzt auch nicht nicht mit auf Arbeit nehmen kann, wird es ein Kompromiss sein, den ich eingehen kann. Die wirklich steile, lange Treppe macht mir etwas Kummer, aber dann trage ich den alten Hund eben. Das wird schon gehen.

Alles in Allem bin ich ziemlich froh. Aber wie es auch 2016 kurz vor dem Ende war guckt mir schon der Stift. Ein kleiner Teil in meinem Kopf redet sich gerade alles wieder schlecht. Mein Kopfkino produziert Horrorszenarien, von Dingen die passieren könnten und Erwartungen die man haben könnte. Plötzlich seh ich mich vollkommen erschöpft, von morgens Sechs bis Abends Acht, Gewehr bei Fuß stehen.

Aber, dazu habe ich ja auch die Probewoche. Das ist ja nicht nur eine Woche wo man sich meine Art zu Arbeiten anguckt, sondern auch eine Woche wo ich gucken kann ob ich da bleiben möchte.

Und wenn ich ein Aufgabenbereich haben möchte, um den ich mich selbstständig kümmere und damit sozusagen meine Zeit selber einteile um einfach morgens schon ungefähr zu wissen, was ich den ganzen Tag über zu tun habe und wann ich damit fertig sein könnte, dann wird das schon so klappen. Und wenn nicht, dann ist es nicht mein Platz.

Das sagt sich alles so einfach. Trotzdem möchte ich mich manchmal in Empryonalhaltung unter mein Bett rollen und dort so lange heulen bis die Paletten wegfaulen.

Es ist fantastisch welche Tricks das Unterbewusstsein drauf hat um uns vor ungewohnten Dingen zu beschützen.

Ich habe letztens erst gelesen, dass das eine ganz natürliche Reaktion auf Unbekanntes ist. Plötzlich grüßen mich Menschen auf der Straße, die ich jeden Tag beim Hundegassi treffe, das Wetter ist perfekt und die Vögel zwitschern melodiöser und ich fühle mich zu Hause. Mein Unterbewusstsein möchte gerne in dieser Komfortzone bleiben. Mit Komfortzone ist hier einfach nur „Das was man kennt und was verlässlich ist“ gemeint. „Da wo man weiß wo man drann ist.“

Aber ein Motto von mir ist ja „Das Leben beginnt am Ende der Komfortzone.“

Deswegen werde ich einfach mal die Arschbacken zusammenkneifen und mal wieder meine Komfortzone verlassen.

Zumal mein Bauwagen weg ist und mir eh nichts anderes übrig bleibt. Das ich 5000€ am Bauwagen verdiene, war eh utopisch. 3500€ wären möglich gewesen. Aber dann kam mein liebes Fräulein und ich dachte „Mit soviel Geld hätte ich mir am Ende eh nur Blödsinn gekauft. Mein Rad krieg ich auch so repariert, scheiß drauf.“ und jetzt wird mein geliebtes liebes Fräulein in den Wagen ziehen und dadurch so viel Geld sparen, dass sie nach ihrer Tischlerlehre mit ihrem Tischlerfreund, im ausgebauten Bus, durch die Welt fahren kann. Und damit fühle ich ich wirklich glücklich. Und ich bin froh, dass ich sie auch mal mit was handfestem unterstützen kann und nicht nur Bratkartoffeln und schlaue Ratschläge.

So …aber jetzt freue ich mich erstmal auf die Probewoche.

Bis dahin … seid lieb gegrüßt.

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