Noch zwei Wochen Bauwagen :´-)

Ich wollte ja keine Tage mehr zählen. Ich wollte nie wieder Zeit weg streichen wie irgendwas Lästiges um mich auf ein bestimmtes Ereignis in der Zukunft zu focusieren. Aber wenn es wie jetzt, keine zwei Wochen mehr sind, dann hat man die Zahl im Kopf. 14. In 14 Tagen werde ich jetzt um die Zeit vermutlich mit den Hunden unterwegs sein. Wie ich das jetzt auch wäre wenn es nicht regnen würde. Allerdings würde ich mit den beiden durch einen Wald im Fichtelgebirge rumstranzen.

Jetzt sitze ich hier auf meinem „Sofa“, der alte Hund neben mir, ein Teelicht im Stöfchen an, was meine Teekanne warm hält, sehr gemütlich.

Gestern habe ich meine Kommode zu Geli und Steffen gebracht. Da wird sie jetzt erstmal stehen, zwei Monate bis zwei Jahre, vollgepackt mit Fotoalben, Bildern, Büchern, einem Schnuller vom lieben Fräulein und anderem Krempel, der nur für mich eine Bedeutung hat.

Im Laufe dieser Woche kommt noch ein kleiner Schrank dazu und der Rest, kommt weg oder mit. Es ist beruhigend wenig.

Beruhigend deswegen, ich habe gemerkt, dass es mich irre macht, irgendwo fest zu sitzen, wenn ich nicht die Option habe, abzuhauen wann ich will. Wenn ich mich ausgeliefert fühle, bekomme ich ganz schnell Platzangst und werde sehr, sehr dünnhäutig.

Und ich muss sagen, der Plan ist fertig, ich fühle mich aufgeregt und ruhig im gleichen Maß. Ich bin ein klein wenig melancholisch. Aber noch im grünen Bereich. Es fangen jetzt Sachen an die ich „zum letzten mal“ tun werde. Letztens habe ich die letzte Gasflasche für den Bauwagen gekauft. Heute werde ich zum letzten mal Toilettenpapier für den Bauwagen kaufen. In dieser Woche werde ich zum letzten mal im Bauwagen Brot backen, weil mir mein liebes Fräulein noch mal über die Schulter gucken möchte.

Und wir beide werden dann mal wieder ganz viele Sachen haben, die wir zum ersten mal erleben.

Sie wird irgendwann im dunkeln aufwachen und merken, dass das Dunkle komisch aussieht und dann merken, dass es geschneit hat. Sie wird dann den Ofen anwerfen und ihren ersten Kaffee beim Feuergeprassel trinken. Und ich wette das findet sie so gemütlich, dass sie bei mir anrufen wird um mir zu erzählen wie gemütlich das ist. Und ich werde meinen Kaffee beim Geglucker der Heizung trinken und werde das auch gemütlich finden.

Und weil ich mich gerade so „gut aufgehoben“ fühle und diesen Schwebezustand sogar genieße, teile ich mal eins meiner Lieblingsgedichte mit euch. Ich finde auch gerade nicht die richtigen Worte. Aber Herr Hesse hat das richtig drauf.

Stufen

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend

dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,

blüht jede Weisheit auch und jede Tugend

zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.

Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe

bereit zum Abschied sein und Neubeginne,

um sich in Tapferkeit und ohne Trauern

in andre, neue Bindungen zu geben.

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,

der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,

an keinem wie an einer Heimat hängen,

der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,

er will uns Stuf´um Stufe heben, weiten.

Kaum sind wir heimisch einem Lebensreise

und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,

nur wer bereit zum Aufbruch ist und Reise,

mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Er wird vielleicht auch noch die Todesstunde

uns neuen Räumen jung entgegen senden,

des Lebens Ruf an uns wird niemals enden…

Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

H.Hesse

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