Mein Rausschmiss … achtkantig

Letzten Mittwoch noch alles fast schick und Bienenstich und heute alles anders.

Jetzt sitz ich hier in Ochsenfurt. In einem Wohnwagen, vorm Haus meiner kleinen Schwester.

Und wie kam das nun?

Ich hatte ja anfänglich schon immer mal bemerkt, dass es da einige menschliche Defizite gibt, zwischen dem Bauern und mir.

Ich habe es aber immer wieder geschluckt, weil ich da so gerne bleiben wollte, mit den Tieren so gut klar gekommen bin und auch die Menschen dort einfach nett waren.

Am Anfang habe ich seine Art einfach dem Stress, den er durch dem Markt hatte zugeschrieben, danach ist er zwar langsam runter gekommen und wir hatten ja dann auch mal geredet, wo er mir gesagt hat, dass ich nichts in mich reinfressen soll, sondern es ihm gleich sagen kann. „Mit mir kann man reden Tanja, das wirst du merken.“

Ich konnte ihm manche Dinge aber nicht gleich sagen, weil ich mich dann gefühlt hätte, als wenn ich ihn bloß stellen möchte, weil auch ganz oft Leute dabei waren.

Er hat z.B. überall gefurzt. Auch beim Essen am Tisch, oder wenn ich unmittelbar hinter ihm stand. Ich meine, dass er seinen Teller abgeleckt hat konnte mir egal sein. Dass er sein Messer ableckt auch, aber wenn er es danach in die Marmelade steckt, oder Butter damit schneidet fand ich dann schon wiederlich. Aber ich hab dann halt aufgepasst was ich esse und weil ich dort ganz schön an Gewicht verloren hatte, dachte ich, ich sag erst was wenn ich auf 60 kg runter bin. Aber diese Furzerei fand ich echt grenzwertig.

Das zweite was ich extrem bescheuert fande war, dass er wenn man ihn nicht gleich verstanden hat, weil seine Anweisungen manchmal ganz schön ausschweifend waren, angefangen hat in gebrochenem Deutsch mit einem zu reden. „Du müssen gucken und dann machen du so…“

Das schlimmste aber war, dass er morgens schon angefangen hat Vorträge zu halten. Meistens über seine Exfrau und ihre Familie, über Menschen die sich nicht so verhalten wie er das für richtig gehalten hat und über Gäste die sich unverschämt verhalten haben. Die Geschichten waren zwar immer die gleichen, wurden aber je nach seiner Stimmung mal schlimmer oder interessanter. Und wenn wir andere Menschen getroffen haben, wusste er über jeden eine Geschichte zu erzählen und zu 80% war es natürlich eine Storry, wo dem betreffenden Menschen ein Narzissmus diagnostiziert worden ist – vom Bauern. Mein liebes Fräulein meinte schon ziemlich am Anfang „Der hat bestimmt mal beim Arzt eine Psychologie Heute gelesen und Narzissmus war einfach das Wort was er aussprechen konnte, wo er jetzt meint er könnte mitreden.“

Nun ja, es waren so einige Sachen im Argen. Aber wenn alleine im Stall stande war mir das auch egal. Yoga ist nichts gegen eine Runde Stall ausmisten!

Nun letzten Freitag war er mal wieder besonders ätzend. Alles was ich getan habe wurde negativ kommentiert. Ich wurde zur Eile angetrieben um dann eine halbe Stunde zu warten bis er fertig gefrühstückt hatte oder musste meine Arbeit unterbrechen, weil er mir unbedingt was zeigen wollte, dann stehen gelassen weil Leute gekommen sind. Ich bin dann stehen geblieben weil ich ja nicht wusste wie lange das dauert und er meinte dann „Wenn Leute kommen kannst du weiter arbeiten und musst da nicht rumstehen und auf mich warten.“ Ein einfaches „Das dauert ne Weile“ hätte gereicht. Aber er musste einen Vortag halten. Dann bekam ich spontan Besuch. Henning wollte Lotta zurück nach Halle bringen und ich lag auf dem Weg.

Lotta wollte dann beim melken zuschauen. Der Bauer hat die Angewohnheit, Milch aus dem Euter auf Leute zu spritzen. Das finden Ferienkinder in Gummiestiefeln bestimmt witzig. Allerdings wenn man saubere Klamotten anhat und noch zwei Stunden im Auto sitzen muss, ist es einfach eckelig. Aber jemand, der maximal einmal in der Woche seine Klamotten wechselt und von morgens bis Abends in Stallklamotten rumspringt und es als „Bauern Auszeichnung“ empfindet, streng zu riechen, der ist da nicht so sensibel.

Der Bauer melkt also, spritzt alle an, fängt an sich über mich lustig zu machen, weil ich so langsam melke und das wenn ich melken würde es bis morgen früh dauern würde. Ich hatte am Tag zuvor zum ersten mal in meinem Leben gemolken. Und danach hat er angefangen mich für irgendwas zusammen zu falten. Und jedesmal wenn ich mich rechtfertigen wollte ist er mir sehr harsch über den Mund gefahren.

Also wie immer wenn er Zuschauer hatte.

Ich bin dann mit Henning und Lotta in mein Zimmer gegangen. Weil ich mich ja mit ihnen unterhalten wollte. Und ich hatte auch keine Lust drauf sie mit dem Bauern an einen Tisch zu setzten, weil er dann auch nur wieder von seiner Exfrau erzählt hätte, die seine Tochter schlägt und seinem Tamtam mit dem Jugendamt. Das erzählt er nämlich jedem.

Am nächsten Morgen gings gleich weiter, alles wurde kommentiert. Ich sollte Pfannkuchen machen, hatte schon einen ganzen Stabel gemacht, er kommt rein und meinte es müsste noch Milch in den Teig, damit er flüssiger wird. Und ich dachte er soll doch einfach mal sein Maul halten. Konnte aber nichts sagen, weil wieder jemand dabei stande. Abends waren wir dann alleine im Stall und er fragte mich dann was los wäre und ich sagte den alles entscheidenden Satz.

„Bauer, dein Verhalten mir gegenüber finde ich grenzwertig, ich komme damit nicht zurecht.“

Zu mehr kam ich nicht.

Sofort war er auf 180. Brüllte ich könnte alle Leute fragen. Alle würden mit ihm zurecht kommen und nur ich hätte immer was zu meckern. Er wäre mein Chef und wenn ich so unreflektiert wäre und mit Anweisungen und Kritik nicht umgehen könnte, würde er das Verhältniss beenden. Ich sagte dann noch, dass ich bis Ende des Monats bleiben würde, aber er lehnte es schlichtweg ab und meinte ich solle mich vom Hof machen. Er wäre keine 20 mehr und würde sich nicht mehr verbiegen für narzisstische Personen wie mich.

Meine Schwester hatte schon vorher immer gesagt, dass sie mich schnell abholen könnte und die rief ich dann an.

Sonst hätte ich mein ganzes Gerafffel bei einer Nachbarin untergestellt und wäre mit dem Bollerwagen los gezogen. Und wäre ganz schön am Arsch gewesen.

Katrin und Patrick kamen dann am nächsten Tag und, luden alles ins Auto. Einiges musste ich zurück lassen, weil einfach kein Platz gewesen wäre. Die Matratze vom alten Hund, das Hundekörbchen, Decken, Klamotten die ich eh nur im Stall getragen hatte … aber egal, Hauptsache die Hunde und ich sind im Auto.

Dann gingen wir zum Bauer, der meinte er wollte mir mein Geld anteilig überweisen und hat uns dann quasi ganz rüde vom Hof geschmissen. Das ich viel mehr gearbeitet hatte wollte er nicht wissen und meinte ich hätte viel zu unorganisiert gearbeitet, das würde er wieder abziehen. Die ganzen Auslagen die ich hatte, Probearbeitswoche und Reisekosten haben ihn natürlich auch nicht gejuckt. Patrick, der ja auch Unternehmer ist, meinte aber, das es das Arbeitsgericht schon interessieren würde. Aber beim Bauern ist da dieser Gutsherren Dünkel. „Auf meinem Grund und Boden bin ich unfehlbar und unantastbar.

In Ochsenfurt angekommen, haben sie mir ihren Wohnwagen vors Haus gezogen und hier sitz ich nun. Ich bin kein bißchen traurig. Irgendwie fühle ich mich wie in einer Amerikanischen Sittcom.

Normalerweiße steht ja immer ein Assionkel im Trailer vorm Haus.

Als ich gestern Abend in den Wohnwagen gegangen bin und meine Hunde schon im Bett20191013_203746 lagen, hörte ich dieses typische Sittcom Lachen in meinem Inneren Ohr.

Meine Hunde sind ganz ruhig und enspannt. Ich fühle mich erleichtert und … ruhig.

Zusammen haben wir auch einen kleinen Plan ausgetüfftelt.

Mal sehen.

Alles bleibt spannend.

5 Gedanken zu “Mein Rausschmiss … achtkantig

  1. Tiere auf dem Hof sind topp, der Bauer hingegen ist ein Flop… Schade eigentlich, aber letzendlich ist auch das (nur) das wahre Leben. Und weiter geht´s…!!!

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