Update, Aufreger, Gesundheitstralala

Nachdem sich tatsächlich inzwischen eine Hand voll Lesern meines Blogs bei mir gemeldet haben und sich nach mir erkundigt haben, ob ich überhaupt noch lebe, möchte ich dann doch mal ein kurzes Update geben.

Mir ist es etwas schwer gefallen irgendwas fröhliches zu bloggen, da ich mit Bauchweh auf die Onlinestimmung geguckt habe. Auf der einen Seite die völlig beknackten Aufrufe zu irgend welchen Demos gegen Maßnahmen, Verschwörungstheoretiker, Echsenmensch, Flachwelt Hildmann und Wendlerfans. Auf der anderen Seite die Denunzianten, die anderen die Polizei ins Haus schicken, jedem der sich gegen eine Impfung entscheidet den Tod wünschen und jeden der es sich wagt die Sinnhaftigkeit irgendwelcher Maßnahmen zu kritisieren, mit Holocaustleugnern, Massenmördern oder Gehirn-amputierten in einen Topf wirft.

Es nervt mich so dermaßen, dass ich auch einige „entfreundet“ habe, weil ich das Geseier und Gehetzte nicht mehr ertragen konnte.

Soviel dazu.

Aber trotzdem passiert hier was. Sogar eine ganze Menge. Heute nur mal eins. Vor fast einem Monat lag ich im Krankenhaus, in der Uniklinik Leipzig. Und da durfte ich unser „Gesundheitssystem“ in seiner vollen Pracht erleben. Und darauf möchte ich mal näher eingehen.

Die Entwicklung die die Medizin in den letzten Jahren gemacht hat ist so was von krass. Vor zwanzig Jahren einen aufgeschnittenen Bauch mit mindestens zwei Wochen Krankenhausaufenthalt und wochenlanger strenger Bettruhe. Jetzt, vier Einstichlöcher überm Nabel, Montag die OP und Freitag war ich mit Fibie unterwegs. Ich bin Unfassbar froh darüber. Ich hatte schon immer großen Respekt vor Pflegepersonal. Durfte aber erleben wie eine Schwester einen Arzt zusammengefaltet hat, weil er mit etwas Falsches erzählt hat. Die Kompetenz die Krankenschwestern haben müssen hat mich wirklich sprachlos gemacht. Und dabei noch immer nett bleiben. Das da überhaupt noch über eine angemessene Bezahlung diskutiert werden muss, während dabei zugeschaut wird, wie sich andere ein fettes Gehalt einstreichen, Hilfen abkassieren und trotzdem ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken ist unfassbar beschämend.

Ich lag mit vielen Krebspatientinnen auf der Station. Frauen die nicht das Glück hatten nach vier Tagen wieder gehen zu dürfen. Ich bin mir durchaus Bewusst, dass ein Krankenhaus kein Hotel und kein Restaurant ist. Ich bin mir durchaus Bewusst, dass es logistisch sehr schwer ist für so einen großen Komplex wie die Uniklinik Leipzig Essen zu kochen.

Aber Leute … es fing morgens an mit Brötchen, ungetoastetem Toastbrot, Mischbrot und Mischbrot mit ein paar Körnern auf der Rinde. Das sollte dann Vollkornbrot sein. Dazu gab es Konfitüre mit bis zu 70% Zuckergehalt. So viel Zucker enthält nicht mal billiges Discounterzeug. Den billigsten Käse, die billigste Wurst und anderes wirklich erschreckend minderwertiges Zeug. Sogar das Obst war ekelig. Die Kiwis vergoren und die Äpfel mit pelzigen Stellen im Fruchtfleisch.

Zu Mittag konnte man aus verschiedenen Menüs wählen. Ich habe mich vegetarisch ernährt. Veganes gibt es in der Kantine für die Studenten. Nicht für Patienten. Reis mit Gemüsebolognese sollte es den ersten Tag sein. Eine Esspressostasse weißen zerkochten Reis und eine kleine Kelle dünne Tomatensoße mit ca. 5 Karottenstückchen drinnen. Solche Stücke die man in Tütensuppe findet. Also nichts frisches. Zum Nachtisch gabs einen Joghurt. Weil er so komisch geschmeckt hat habe ich mal auf die Zutatenliste geschaut. Rindergelantiene!!! In welchem Joghurt ist Gelantiene? Zum Kaffeetrinken gabs sehr kleine und günstige, trockene Kuchenriegel und zum Abendbrot das selbe wie zum Frühstück nur ohne Marmelade. Alle die Besuch bekommen hatten haben sich täglich was zu Essen mitbringen lassen. Alle die keinen Besuch haben konnten – hatten Hunger und die Arschkarte gezogen.

Ich hatte keine Probleme damit. Ich lag ja quasi nur 5 Tage drinnen, bin sehr genügsam und hatte 3 Packungen Gummibären mit. Aber da liegen Menschen mit Krebs. Gegenüber von uns lag die Kinderstation. Kleine Menschen die wochenlang zwischen irgendwelchen Geräten stecken und die ganze Zeit Schmerzen haben, nicht laufen können und dürfen.

Und die alle kriegen Dreck zu fressen. Zucker Salz, Fett. Wie wichtig eine gesunde Ernährung ist sollte doch inzwischen dem Dümmsten klar sein. Ich rede hier nicht von Vegan oder Superfoods, Rohkost oder Demeter Lebensmittel.

Es geht einfach darum, dass Menschen die KREBS haben und KINDER sich nicht von Zucker, Salz und Fett ernähren sollten. Und keiner der Schmerzen hat und alleine irgendwo liegt um gesund zu werden sollte hungrig ins Bett gehen.

Und auch wenn das in anderen Ländern so üblich ist und sie in Rumänien, Kongo oder USA froh währen, so etwas vorgesetzt zu bekommen – das ist mir egal. Hier muss dass nicht sein.

So, auf der einen Seite das schlechte Essen, dazu Privatfernsehen und Zeitschriften die Verboten gehören, weil sie allein beim in die Hand nehmen schlechtes Karma übertragen. So viel Gehetzte und Getratsche hat mir fast den Kopf explodieren lassen. Und ich komm vom Dorf!

Ich habe auch meine Ärztin darauf angesprochen, die hat verschämt unter sich geguckt und meinte sie könnten da auch nichts machen.

Das ist kein Gesundheitssystem, sondern ein Erhaltungssystem. Man möchte die Arbeits- und Kaufkraft erhalten, aber in keinem Fall die Gesundheit.

Und da für mich zu einem erfüllten, schönen Leben es eben nicht reicht, einfach nur auf den Beinen zu stehen und ansonsten Geld für Schadensbegrenzung auszugeben, möchte ich mich bitte selber um meine Gesundheit kümmern.

Ich weiß, dem normale 08/15 Menschen wird nicht wirklich zugetraut, sich um sich selbst zu kümmern. Ich meine, wer sich ewig darum streitet, dass Vegetarische Frikadellen, sich nicht mehr Vegetarische Frikadellen nennen dürfen, weil sonst die Verbraucher getäuscht werden, weil sie zu dumm und oder faul sind das Wort vegetarisch zu lesen und zu begreifen, der scheint nicht wirklich überzeugt von der Intelligenz seiner Verbrauchen/ Wähler zu sein.

Ich finde die Schulmedizin enorm wichtig und bin sehr Dankbar für die Forschung und neuen Erkenntnisse. Das Fräulein und ich werden uns natürlich nicht gegenseitig die Zähne mit dem Dremel und weißem Fimo selber machen. Alles Gut.

Und natürlich finde ich auch Impfungen wichtig. Ich bin geimpft, genauso wie ich das Fräulein habe Impfen lassen. Ich möchte keine Kinderlähmung, Wundstarrkrampf, Keuchhusten und Mumps. Weder für mich und meine Nachkommen.

Aber für meine alltägliche Gesundheit, möchte ich selber die Verantwortung tragen. Und das muss ich nicht mit Leuten ausdiskutieren die jemanden kennen der mal irgendwo Essen ausgeteilt hat.

Und ich halte die Abstandsregeln für einen Segen. Lieber warte ich entspannt ein paar Minuten vor einem Laden auf einen Korb, als das mir in einer Endlosschlange an der Kasse jemand in der Nacken atmet. Und ich liebe die Maske – für mich. Sie war mir eine große Hilfe. Wenn ich daran denke wie viel Geld ich nicht ausgegeben habe, weil ich meine Maske vergessen habe oder auch einfach nur keine Lust hatte eine aufzuziehen. Nicht mehr jedem die Hand geben müssen find ich auch gut. Und wer mich deswegen Schlafschaf nennt, der kann sich mal schön verpissen.

So, das war mein Wort zum Mittwoch. Ich lebe noch, habe so viele Pläne, dass mir der Kopf schwirrt und mir gehts gut. Es wird auch wieder weiter gehen. Aber nochmal anders als Gedacht. Aber davon später. Es bleibt spannend.

2 Gedanken zu “Update, Aufreger, Gesundheitstralala

  1. Ich habe schon lange mitgelesen, heute passt Thema aber so gut zu meinem aktuell Erlebten, dass ich meine 5 Pfennige auch dazugeben will.
    Ich komme heute aus dem Krankenhaus, war auch nur für zwei Tage drinnen, hab Hautkrebs im Gesicht weggekriegt, kann aber alles doppelt unterstreichen, was Du geschrieben hast.
    Vor allem, was das Essen angeht. Habe mich da vorher schon zum Deppen gemacht, indem ich angefragt hatte, ob ich veganes Essen haben könnte. „Vegetarisch können wir zusagen, aber vegan müssen Sie dann vor Ort mit der Küche besprechen.“ Okay, bei der Aufnahme noch mal drauf hingewiesen. Sie haben sich dann im Rahmen ihrer Möglichkeiten echt Mühe gegeben, aber es war halt quasi nur Salat. Ich hatte die ganze Zeit Hunger. Und nach der OP habe ich gelernt, dass es „Lippenkost“ gibt aka Brei. Habe daheim erstmal was gegessen.
    Ich finde es auch krass, dass Krankenhausessen ein Synonym für mieses Essen ist. Wie sollen da wirklich kranke Leute gesund werden?

    Gefällt 1 Person

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