Der Plan für einen Plan

Das neue Jahr hat kaum angefangen und ich fühle mich schon ein wenig gehetzt. Aus Erfahrung weiß ich inzwischen, dass 365 Tage ziemlich schnell vorbei gehen. Nur 52 mal Tatort gucken und ein Jahr ist wieder rum.

Ich will 2017 nutzen um einen Plan zu machen. Einen Plan wie es weiter gehen soll. Oder besser, wie es überhaupt mal gehen soll, wenn ich 2018 wieder zurück nach Deutschland komme.

Also der Plan bis April/ Mai 2018 ist schon mal grob fertig.

Ich gebe hier in der Finca Vegana gute Yogastunden und koche vegane Menüs. Da ist ziemlich viel zu tun, weil ständig ausgebucht sein wird. Im Sommer kommt mich das liebe Fräulein und ihr freundlicher Freund besuchen. Ich werde einen zweiten Roman fertig stellen,10 Kilo abnehmen und den Skorpion schaffen. Im April 2018 werde ich, wenn der Bedarf besteht, mich von einer neuen Yogalehrerin ablösen lassen, jemand der mich mag bucht einen Flug nach Malaga, ich hole ihn vom Flughafen ab und dann montieren wir die mitgebrachten Nummernschilder an meinen Bus. Nach einem Kurzurlaub in der Finca, packen wir dann die Sachen und fahren Richtung Deutschland. Erste Station Obergleen, Konfirmation von meinem Neffen Aaron und dann…

bisher gibt es da zwei Optionen. Die erste – ich gehe in das Yoga Vidya Ashram an die Nordsee. Der Gedanke, in einer spirituellen Gemeinschaft zu leben reizt mich sehr.

Die zweite Option – und die gefällt mir immer besser – ist es zurück nach Halle zu gehen.

Ganz genau. Das „Dreckskaff“, dass ich fluchtartig verlassen habe. Aber, egal wie Kacke, ich habe die für mich wichtigsten 20 Jahre in dieser Stadt gelebt und es scheint, es ist mein Zuhause geworden. Irgendwie. Auch wenn ich bei jedem neuen Blödsinn mit der flachen Hand ausholen könnte um drauf zu hauen. Allein wenn ich an den Golfplatz am Hufeisensee denke, bekomme ich Sodbrennen. Na egal. Ja, Halle ist die Stadt, wo ich die größten menschlichen Enttäuschungen getroffen habe. Allerdings war die Zeit von 22 – 42 eine ziemlich ereignisreiche und ich bezweifle stark, dass mir die Entäuschungen erspart geblieben wären, wenn ich irgendwo in Hessen geblieben wäre. Aber Halle ist auch die Stadt wo das liebe Fräulein auf die Welt gekommen ist, wo es einen Klettergarten und einen Tretbootverleih gibt. Und wo Menschen leben, die mich seit vielen Jahren begleiten, mich gut kennen und mögen.

Allerdings, was mache ich in Halle. Der Plan ist auch noch nicht fertig. Ich werde nie wieder einer normalen Arbeit nach gehen. Keiner wird sich mehr an meiner Arbeitskraft bereichern. Niemand im grauen Dreiteiler wird mich schikanieren und den größten Teil meiner Zeit verplempern mit Arbeiten die nichts Gutes hervorbringen und die Welt kein Stück besser machen. Ich werde nie wieder in einer normalen 2 oder 3 Raum Wohnung leben und arbeiten gehen um diese mit Sachen an zu füllen. Ich werde nie wieder in der IKEA Warenausgabe stehen und warten bis mir jemand meine Billy Regale auf einem Wagen entgegen schiebt. (Hmmmm…. also wahrscheinlich nie wieder.)

So ein ganz leiser Traum ist es in Halle ein Stück Garten zu pachten und dort in einem Bauwagen zu leben.

Ja, es geht gleich los, aber dies und aber das und das ist nicht erlaubt und das ist verboten.

Aber man kann es ja trotzdem versuchen. Was kann schon passieren? In Halle gibt es Obdachlose und Menschen die mit Kindern in Abrisshäusern hausen. Wer wird schon daran Anstoß nehmen, wenn ich auf einem gepachteten Grundstück einen Bauwagen aufstelle? Da sind dringlichere Baustellen als eine Tanja, die einfach keine Lust hat sich an einen festen Wohnsitz anketten zu lassen. Ich weiß, dass es am Stadtrand genug eingezäunte Grundstücke gibt, die leer stehen. Vielleicht darf ich dann wieder Yogastunden in der Freiraumgalerie geben, vielleicht kauft ja tatsächlich mal jemand meine Romane…ich glaube fest daran, dass immer irgend was geht. Und ich glaube, dass ich mit Arbeit dir mich glücklich macht und erfüllt auch nicht viel weniger Geld verdienen muss, als wenn ich irgend einen Mist zum Mindestlohn mache. Der Gedanke, irgendwann mit meinem grünen Rad durch Halle zu klappern um einkaufen zu fahren macht mich gerade ziemlich froh. Genauso wie der Gedanke vor meinem Bauwagen zu sitzen um auf das liebe Fräulein zu warten um bei einem Kaffee den neuesten Tratsch zu tratschen. Oder mit meinen liebsten Ex Kollegen bei einem Bier zu sitzen oder in Halles zahlreichen Lokalitäten, angefüllt mit mehr oder weniger würdigen, unwürdigen und merkwürdigen Menschen. Vielleicht kommt aber auch alles ganz anders. Vielleicht will mich gar keiner abholen. Oder mich holt jemand ab der mich aber gleich mit nimmt und nicht nach Halle will. Oder ich lerne jonglieren und fahre in einem Zirkus mit. Oder der spanische König will mich als Mätresse und kauft mir eine Villa am Atlantik. Oder jemand mit einem großen Wohnmobil nimmt mich mit auf einer Tour durch Indien. Oder das liebe Fräulein will für immer im Balkan bleiben und dann muss ich anstatt 3000 km nach oben die 3000 km nach rechts fahren. Oder Disculpe fängt mich beim nächsten Spaziergang ab. Wenn er eine hellgrüne Kitchenaid Küchenmaschine hat, werde ich natürlich seinen Heiratsantrag annehmen.

Auf jeden Fall merkt man schnell, ich habe keinen Plan. Oder zu viele. Zu viele Pläne und keinen richtig durchgedacht. Und wenn man daran denkt, wie viele Möglichkeiten man hat. Dann sind die 365 Tage echt wenig. Vor allem weil 52 Tatort Abende weg gehen, ich meine Weste noch fertig häkeln muss und hier ständig ausgebucht sein wird und, und, und…

3 Gedanken zu “Der Plan für einen Plan

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