Frühsexualisierung und Zeitverschwendung

Ich hatte mir eigentlich ein paar alte Schweinehundgeschichten zurecht gelegt, weil mein Roman im Endspurt ist und ich mich ganz und gar darauf konzentrieren wollte … und dann kam alles anders.

Ich muss gestehen, ich scheine auch der „nach mir die Sintflut“ Typ zu sein, denn das Geschrei um „frühsexualisierung“ ging vollkommen an mir vorbei. Das liebe Fräulein ist erwachsen und weiß was sie tut, alles andere juckt mich nicht.

Vor allem, weil ich der 100%igen Überzeugung bin, dass man Menschen nicht zur Heterosexualität erziehen oder umerziehen kann genauso wenig zur Homosexualität. Und ich bin davon überzeugt, dass es Kindergartenkindern furzegal ist, ob da jemand zwei Muttis, zwei Vatis, Mutti und Vati, weiß, gelb, rot, schwarz hat. Und ich habe mein liebes Fräulein 5 Jahre lang jeden Morgen in den Kindergarten gebracht und da gab es alles. Jede Konstellation. Man hat nicht nicht darüber geredet weil man sich geschämt hätte, sondern weil es eben egal war.

Das Fräulein war drei Jahre alt, da saßen wir im Burger King und in Halle hatte man den Christopher Street Day mit ein paar bunten Wagen gefeiert auf der ein paar Menschen in Kostümen zu Techno tanzten. Natürlich wurde ich dann auch gefragt was schwul und lesbisch heißt und ich habe es ihr in zwei Sätzen erklärt. Sie hat das nicht komisch oder blöd gefunden. Nur, dass die Männer Lederbusenhalter getragen haben und man bei ein paar den Popo gesehen hat, das fand sie witzig.

Was ich damit sagen wollte, Kinder juckt das alles nicht und die entwickeln sich von selber. Und fast keiner kann da bewusst Einfluss drauf nehmen. Ich meine – weder meine Eltern, noch meine Lehrer haben mich je dazu überredet mit so vielen langhaarigen, tätowierten Metalheads zu schlafen, wie ich angetrunken dazu überreden konnte. Und gucke … obwohl ich ja davon überzeugt bin, dass mich das „Jesus auf dem Ölberg“ Gemälde, dass bei meinen Großeltern überm Bett hing, zumindest meine Affinität für langhaarige Männer geprägt hat. Zumindest in meinen 20ern.

Also, auf jeden Fall dachte ich – ihr mit eurem Frühsexualisierungsgeheule – eure Kinder werden doch nicht homosexuell nur weil sie wissen, dass es Homosexualität gibt. Genauso wenig wie sie sich brav reproduzierende Heteros werden wenn sie schön konservativ erzogen werden.

Und Verhütung ist eine fantastische Sache.

Ok und dann wird auf Facebook wieder so ein Frühsexualisierungsgeheule Video geteilt, von einem meiner Freunde und weil meine rechte Hand gerade beschäftigt war mir ein belegtes Brot vor den Mund zu halten, musste ich mir links mein Smartphone bedienen und hab mangels Feinmotorik in der linken Hand und wegen meiner dicken Wurstfinger (und das als Veganer) das Video nicht weg, sondern an getippt und plötzlich zeigte obendrein noch ein Pfeil an, dass ich mir gerade was runter lade. Ich wollte noch stoppen, aber dann hatte ich Mayo am Display und alles war eingesaut und das was ich gehört habe, während ich die Mayo vom Display wischte, fand ich sehr befremdlich. Das was ich aus versehen runter geladen habe war der Ratgeber für Eltern vom 1.-3. Lebensjahr, von der Bundeszentrale zur gesundheitlichen Aufklärung. Körper, Liebe, Doktorspiele.

Und weil ich gerade auf meinen Toast gewartet habe, fing ich an das 40 Seiten Heft zu lesen.

Da steht erst mal, wie wichtig Körperkontakt ist. Und ich dachte na klar. Ich hab mein liebes Fräulein ein halbes Jahr kaum aus der Hand gelegt. Nur im Tragetuch rum getragen und sie hat auch kein eigenes Bett gehabt. Sie hat bei uns gepennt, bis sie keinen Bock mehr drauf hatte und das war mit 1 ½ Jahren, so ungefähr.

Also kuscheln und schmusen – na klar.

Aber dann bemerken sie Autoren des Ratgebers ziemlich rasch. Das man die Arme und Beine, den Mund und die Zehen benennt und liebkost, dass aber leider nicht bei den Genitalien macht. Ohne sich im klaren darüber zu sein, was man denn anrichtet wenn man das nicht tut. Weil dann ist das da unten ein namenloses Ding, für das man sich schämt, weil es ja nicht so „freudig wahr genommen und nicht gestreichelt“ wird. (???????????)

Zwischendurch wird auch immer wieder eingeworfen, wie enorm wichtig es ist, es auch zu respektieren, wenn das Kind keine Nähe wünscht. Aber das wirkt dann nur wie ein Alibi (damit wir das auch mal gesagt haben…)

Aber dann kommt wieder das aktive Fördern seiner Sinnlichkeit und Lustvollem Empfinden.

Wir sind immer noch bei eine Ratgeber bis zum 3.Lebensjahr ok.

Und dann geht’s ums Lernen am Modell.

Und ich dachte – was ist das für eine kranke Scheiße? Und zwischendurch immer mal ein paar Sätze die durchaus sinnvoll und normal sind, aber schon vor 20 Jahren normal waren. Aber dann immer mal Passagen, wo ich dachte, dass ist ein Handbuch für Pädophile, wie sies aussehen lassen, als wenn es ganz normal wäre.

Also wenn sie Kinder nicht NEIN sagen, dann soll man sie mal machen lassen. Egal was. Und Erwachsene können ruhig aktiv dabei sein.

Und dann ist mir eingefallen, eins von den überlebenden Dutroux Opfern hat ja nun erzählt, wie viele Reiche, Einflussreiche und Politiker in diesem Pädophilen Ring ihr Unwesen treiben. Sitzen die vielleicht irgendwo und versuchen das zu legalisieren?

Ich meine, schließlich ist die Bundeszentrale zur gesundheitlichen Aufklärung ja ein von Steuern finanziertes Ding, das irgendwann von irgendwelchen Politikern abgenickt worden ist.

Und weil ich das alles nicht glauben konnte und mich immer frage – wo ist der Sinn? habe ich so rumgesurft und da treffe ich den Sigmund Freud und der meint „Kinder, die sexuell stimuliert werden, sind nicht mehr erziehungsfähig. Die Zerstörung der Scham bewirkt eine Enthemmung auf allen anderen Gebieten, eine Brutalität und Missachtung der Persönlichkeit der Mitmenschen.“

Und ich dachte – aber wer könnte das wollen?????

Und dann lese ich von der Gender Agenda und ich muss mehr darüber lesen als ich eigentlich Spaß daran habe, weil ich ständig dachte das wäre Satire oder irgend ein Aluhut-Fake.

Aber man würde es wohl begrüßen, wenn Erziehung nicht mehr in der Familie statt finden würde. Weil diese Mutter-Kind Bindung dazu benutzt werden kann, dass Kind ungut zu beeinflussen. Dann würde ein Wesen mit einer Vagina, z.B. eingeredet kriegen, es wäre eine Frau und hätte dann weniger die Chance sich wirklich aus sich aus heraus zu entscheiden…

Und mir platzt fast der Kopf weg. Ich habe mich den ganzen Tag so auf geregt, dass man mir schnell ein paar Pommes machen musste um mich wieder runter zu bringen.

Abends habe ich dann noch mal richtig recherchiert. Auf der Seite der Bundeszentrale habe ich nichts gefunden. Im Gegenteil. Ziemlich viele sinnvolle Ratgeber, vor allem für Jugendliche. Nachdem ich auf der Seite gestöbert habe und nichts verwerfliches finden konnte, habe ich den Ratgeber nochmal genau angeschaut. Und festgestellt – er ist von 2006, schon längst aus dem Verkehr gezogen und die Autorin hat sogar eine Anzeige bekommen. Die ist zwar fallen gelassen worden, aber den Schuß vorn Bug hat sie verstanden – obwohl sie das alles ganz anders sieht.

Und dann habe ich mich noch mehr geärgert. Weil ich nämlich meine Zeit verschwendet habe um mich auf zu regen und rum zu recherchieren für irgendwas, was sich schon längst erledigt hat.

Aus versehen habe ich meine Neffen wahrscheinlich noch „frühsexualisiert“ weil ich vor Aufregung meiner Schwester eine Sprachnachricht ins Handy gebrüllt habe und diese ist dann vor den unschuldigen Ohren meiner Neffen abgespielt worden. („Hi,hi Tante Momo hat Schwanz gesagt“), weil sie ja nicht wusste was mich am hellen Mittwoch so beschäftigt.

Aber, ich bin auch für das Thema sensibilisiert worden. Weil die Autorin ja nicht im Alleingang 600000 Ratgeber verteilt hat. Gut, bestimmt haben es nicht alle so richtig gelesen. Es ist recht langatmig und bestimmt Dinge werden immer wiederholt. Man überfliegt es bestimmt gerne, vor allem wenn man keine Kinder im betroffenen Alter hat. Aber ein paar haben es gelesen und nichts dabei gefunden. Vielleicht aus Gruppenzwang oder weil man mit aller Gewalt modern und offen wirken will. Keine Ahnung.

Und ihr konservativen, homophoben Moralapostel. Es ist vollkommen ok, dass ihr weiterhin ein Auge drauf habt. Aber versucht doch nicht Menschen mit veralteten Sachen auf eure Seite zu ziehen. Und ihr habt recht, es muss nicht sein, im Kindergarten über Sperma schlucken und Analsex zu reden und aktiv zur Selbstbefriedigung aufzufordern. Das sehe ich genau so. Und wehe dem Pädagogen, der meinen (irgendwann in vielen Jahren) Enkelkindern mit diesen Themen zu nahe kommt. Aber es wird die sexuelle Orientierung eures Kindes in keinster Art beeinflussen, wenn sie lernen, dass zwei Muttis oder zwei Vatis auch Möglich sind. Aber vielleicht verhindert diese Art von Aufklärung, dass eure Kinder irgendwann mal todunglücklich in einer Beziehung mit einem unpassenden Menschen hängen und sich unnormal fühlen. Und das ist in meinen Augen vollkommen ok.

Und ich hatte gestern so viel vor und nichts ist passiert weil ich nur rum gerannt bin und mich aufregen musste. grrrrrr

Und ich wette, dass sehen die meisten meiner Freunde auch so. Und wenn ich Freunde schreibe meine ich alle und die Frauen unter meinen Freunden fühlen sich nicht ausgeschlossen, nur weil ich nicht Freund*innen schreibe.

Ich hab euch im Auge.

 

PS: Zum Beitragsbild. Das ist übrigens Straßenkunst aus Halle an der Saale. Solche Vögelchen auf Fliesen hängen überal rum. Sieht voll schön aus.

4 Gedanken zu “Frühsexualisierung und Zeitverschwendung

  1. Ich bin der Meinung, dass es das Ziel der Gegner früher Aufklärung ist,die Selbstbestimmung zu verhindern, statt zu fördern. Die Argumente werden ja völlig überzogen und haben nur noch wenig mit den tatsächlichen Bildungsinhalten zu tun.

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  2. Ich habe diese Woche ein Dokument von einem hamburger Soziologen gelese. Da waren ein paar Ziele definiert. Habe das jetzt hier nicht vorliegen. Das Meiste bezog sich darauf, dass die Kinder lernen sollen mit unterschiedlichsten Lebends und „Sexualkonzepten“ klar zu kommen, kennen, akzeptieren usw. Viele Eltern tun in dieser Richtung gar nichts, vorrangig im sozial schwachen Umfeld findet kaum Bildung zu Hause statt.

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